Der große Freitag in Griechenland

Die Glocken der über das Land verstreuten Kirchen schlagen vereinzelte Töne, um dann wieder für eine lange Pause zu verstummen. Über der Insel liegt eine schwere Stimmung. An den Abenden gehen die Menschen in die Kirchen, deren Türen immer offen stehen und gedenken der Kreuzigung.

Ostern, und somit auch die Karwoche, werden in Griechenland nach orthodoxer Tradition nicht immer zeitgleich mit dem katholischen oder evangelischem Ostern gefeiert, sondern dieses Jahr eine Woche später. Ich bin wieder einmal nach Andros gereist, um die Feiertage dort zu erleben.

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Aus den kleinen Dorfkirchen in den Bergen klingen Gesänge aus den Lautsprechern und werden vom Wind über das Tal gestreut. Sie mischen sich mit dem Meereswind und den Glocken.

In der Kirche schmücken alle gemeinsam einen symbolischen Sarg mit weißen Blüten, und die Kinder zupfen Blütenblätter in einen geflochtenen Korb, Öl aus Jasminblumen wird auf die Handflächen getropft.

Leuchtsarg

Am Karfreitag Abends versammeln sich die Menschen nicht wie an den anderen Tagen dieser heiligen Woche in der Kirche, sondern warten davor. Sie warten vor allen großen Kirchen, bei manchen wartet noch eine kleine Musikkapelle. Es ist Nacht und längst dunkel, als der Pfarrer und einige Männer aus dem Dorf, den mit Blumen geschmückten Sarg aus der Kirche tragen. Sie tragen ihn auf ihren Schultern durch die Gassen, begleitet von Gesängen und Klängen der Kapelle. Wir folgen dicht, und der Sarg leuchtet in den schmalen Gassen. Vor jeder Kirche, die wir passieren, hält der Zug an und der Pfarrer segnet das heilige Haus. Menschen läuten bedächtig mit dicken Seilen die Glocken im Turm.

Gassenlicht

Wir wandern bis ans Meer, welches schwarz unsere Lichter spiegelt. Wir ziehen an Häusern vorbei, vor denen an den Türen Weihrauch auf einer Kohle verbrennt und alle Gassen mit Rauch berauscht. Von manchen Balkonen werfen die Menschen Blütenblätter, die sich in Haare legen und auf unsere Schultern. Allen voran der leuchtende Sarg auf starken Schultern. Und um uns eine Schwere.

Unser Zug kreuzt andere Prozessionen aus den anderen Kirchen, bis sich alle auf dem Hauptplatz versammeln, wo nun die leuchtenden Särge so weit wie möglich in die Höhe gehalten werden.

Danach zieht jede Prozession wieder zum Ausgang zurück, dort wird der Sarg vor dem Kircheingang platziert. Die Menschen werden noch leiser, und der Priester klopft an die verschlossene Kirchentür. „Wer ist dort?“ wird von Innen gerufen. „Ich bin es Christus“ erwidert der Pfarrer. Und nach einem kurzen Dialog, wird die Türe aufgestoßen, und der Priester betritt wieder seine Kirche. Die Wartenden gehen nun unter dem Sarg hindurch, in die Kirche hinein, und hoffen dabei auf Glück.

Sie wünschen sich xronja polla, was „viele Jahre“ bedeutet und gehen nach Hause, den am nächsten Tag steht der große Samstag an.

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Die Fotografien sind in Chora und im Kloster Panteleimon auf der Insel Andros entstanden. Um ganz den Moment zu erleben, habe ich diesmal nur wenige Bilder fotografiert. Wer mehr von dieser Stimmung erleben will, dem rate ich Ostern einmal in einer ländlichen Gegend in Griechenland zu feiern, am besten die ganze Karwoche.

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Schauspiel in blau weiß

Noch sind die Kafenions leer, die gläubigen Orthodoxen sitzen seit der Morgendämmerung in der Kirche und lauschen der Verkündung. Später erst stoßen die Langschläfer durch die offen stehenden Türen dazu, jeder kann hier kommen und gehen wann er will.

Kirchgang

Es ist der 25. März, der Tag der Maria Verkündung* und gleichzeitig auch der Nationalfeiertag**, ich habe wie viele andere aus Athen das lange Wochenende genutzt, um das Schauspiel auf einer Insel zu verfolgen: Wie so oft auf dem geliebten Andros.

Tische

Aus der Kirche geht es ins Kafenion unter der Platane, gewartet wird jetzt bis die große Parade beginnt.

Auf dem Kirchvorplatz haben sich nun die Bewohner und Bewohnerinnen des Inselhauptstädtchens versammelt. Es liegt eine aufgeregte, vorfreudige Stimmung in der Luft, wie hinter den Kulissen kurz bevor der Vorstellung.

Wartende_mit_Hund

Verträumte Gesichter warten in der Mittagssonne auf den großen Moment: Einmal alle zusammen als Gemeinde durch den Ort marschieren.

Wartender_Hund

Allen voran der Bürgermeister und sein Gefolge.

Gefolge

Danach folgt die Kapelle, und dann die Kinder bis zur Jugend, Schülerinnen in knappen Röcken, Schüler der Marineschule und ein streunender Hund.

Kapelle_Parade

Schulparade

Die Athener schießen von den Cafés aus Fotos, um wie ich die Nostalgie einer anderen, für uns längst vergangenen Welt einzufangen. Wie ein Schmetterlingsfänger mit seinem Netz.

Kinder_fahne

Wir belächeln und beneiden zugleich das Schauspiel der Provinz: Vom Stolz des Bürgermeisters und seinem Gefolge, wie er gleich durch das Tor schreitet, und ihn dann ein Blitzlichtgewitter empfängt, das leider in der Sonne untergeht.

wartende_fahne

Vom Zauber der Insel, den wir auf den Gesichtern der Kinder lesen, die Fahne haltend, Kopftücher aus weißem Stoff die in der Sonne leuchten.

Danach gehen alle in die Tavernen und essen Bacalhau mit Knoblauch Creme**, eine heute erlaubte Ausnahme in der Fastenzeit. Am Abend steigen die Athener wieder auf ihre Fähren, lassen die Insel hinter sich, den Zauber und die Prise der Nostalgie.

Häuserflucht

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*Am 25. März wird Maria Verkündung gefeiert, von den Griechen „Evangelismos Theotokou“ (Ευαγγελισμος Θεοτοκου) genannt. Der Begriff „Evangelium“ (εὐαγγέλιον) kommt aus dem Griechischen und bedeutet „gute Nachricht“. Der Engel Gabriel soll an diesem Tag Maria die Nachricht überbracht haben, dass sie den Sohn des Heiligen Geistes zu gebären werde.

**Der Nationalfeiertag bezieht sich auf den 25. März 182, den Beginn der griechischen Revolution gegen die Herrschaft der Osmanen und für eine unabhängige griechische Republik.

***Wer jetzt Lust auf Knoblauch bekommen hat, findet das Rezept zur Knoblauch Creme, die an diesem Tag traditionell gegessen wird auf diesem schönen griechischen Food Blog „Zitronen und Olivenöl“.

Vom Lauf der Inselflüsse

Als Insel ist Andros von allen Seiten von Wasser umgeben. Jetzt, da der Schnee auf den Bergen eben geschmolzen ist, bilden sich Bäche, die zu reißenden Flüssen werden und nach einer kurzen aber wunderschönen Reise ins Meer münden.

Brücke

Die Bewohner der Insel erzählen, nach diesem Winter seien selbst lang vergessene Quellen, die man schon versiegt glaubte, wieder zum Leben erwacht. Sie entspringen in heiligen Klöstern, oder versteckt zwischen grünem Gras in der Einsamkeit der Gipfel.

Pferdeweide

Auf warmen Steinen sonnt sich eine Schildkrötenfamilie, Schwäne treiben stolz darüber hinweg und Pferde stehen im Dämmerlicht.

Schildkröte

Um die Bachläufe sammelt sich Grün in Hell und Dunkel und anderen Tönen, für die ich keine Wörter finde. Dazwischen sind die unzähligen Blumenfarben getupft, ein unendlicher Teppich als Wegbegleitung.

Auf diesem Weg sammeln die Bäche so viele Freunde ein, dass sie zu einem Fluss anschwellen, der sich mühelos über die menschengemachten Straßen hinwegsetzt.

Wegabschneider

Beim Wandern muss ich oft meine Schuhe ausziehen und barfuß durch das kalte Wasser waten. Wenn ich durstig bin, beuge ich mich zum Wasser und trinke aus der hohlen Hand.

Spiegelbach

Ich begleite mit den Bunt der Blumen den Lauf des Wassers, von Berg bis in sein Tal. Tiere weiden hier auf fruchtbaren Feldern, die nach einer Weile in einem Schilfwald enden. Dahinter liegt der Strand und dahinter das weite Meer.

Strandfluss

Der Fluss bahnt sich seinen Weg durch den Sand, teilt den Strand in zwei ungleiche Hälften, bevor er sich mit dem großen Wasser vereint und salzig wird.

MündungMündung bei Chora, dem Inselhauptstädtchen

Fast tut es mir weh, das süße Wasser münden zu sehen. Im Sommer werden wir jeden Tropfen in Ehren halten.

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Andros ist eine große Insel in Griechenland, die zu den Kykladen zählt. Sie ist im Vergleich zu den anderen Kykladeninseln sehr bergig und hat selbst noch in den heißen Sommern Trinkwasser und Bäche, was sie zu einer grünen Insel macht.

Schichten

Ab März kann man vielen gut beschilderten alten Pfaden wandern und dabei verwunschene Orte entdecken.  Die Fotografien sind alle auf der Wanderung von Falika nach Chora entstanden. Bei weiteren Fragen gebe ich euch gern Auskunft.

KircheImGrün

Fleisch, Rauch und Trommelwirbel – Karneval in Athen

Die ganze Stadt riecht nach Fleisch und Rauch, es ist „Tsiknopemti“ und überall wird gegrillt. Vor den Tavernen stehen auf den Bürgersteigen große Grills, die mit Spießen belegt sind. Das Fett tropft in die heiße Glut, Oregano wird mit kohlegeschwärzten Händen aus großen Plastikschalen über das Fleisch geworfen. Pitabrote werden mit Olivenöl bestrichen und über die Glut gehalten. Straßenhunde liegen gespannt auf der Platia und warten.

Souvlaki

Auf ihren Dachterrassen stellen die Menschen dreibeinige Grills auf, der Rauch steigt in den Himmel, Tsatsiki wird auf kleine Tische gestellt und die Zitronen frisch vom Baum geholt.

Titelmaske

Der griechische Karneval wird „Apokries“ genannt, was so viel wie „Fleisch vorbei“ bedeutet. Die Woche, als deren Höhepunkt der „Tsiknopemti“ gilt, ist die Fleischwoche. Danach folgt die Käsewoche, denn die gläubigen Orthodoxen Griechen sollen in der Fastenzeit auch auf Milchprodukte und Eier verzichten.

Maskenwand

An den Sonntagen der Karnevalszeit gibt es in dem Stadtteil Metaxourgio Straßenumzüge, die bunt, laut und chaotisch sind. Es wird getrommelt, getanzt und bis in die Nacht um die Häuser gezogen.

Bläser

Zuschauende vermischen sich mit den trommelndem Zug, es wird für eine bessere Sicht auf parkende Autos geklettert, Konfetti mischt sich mit den Bunt der Graffitis.

Badman

Karneval in Griechenland ist nicht nur später als in Deutschland, sondern auch ganze drei Wochen lang. Die größte Sause findet in Patras statt, der griechischen Karnevalshochburg.

Trommelwurf

Dieses Jahr ging es am 17. Februar los, und vorbei sein wird es erst am Montag, 11. März. Diesen Abschluss der Karnevalszeit bildet der „Saubere Montag“, an dem man bunte Drachen steigen lässt. Über diese Tradition habe ich bereits letztes Jahr bereits berichtet, ihr könnt hier über die Drachen des sauberen Montags lesen.

Federhelm

Von Pinienleuchten und Mandelblütenschnee

Dieser Text sei den Bäumen in Athen gewidmet, die ich liebe.

Mandarinen Traum

Bäume in Athen, von oben gesehen scheint es euch kaum zu geben. Zwischen den Straßen versteckt ihr euch, brecht mit euren Wurzen den Asphalt der schmalen Wegen auf, sprengt Felsen und gebt euch mit trockener Erde zufrieden.

Antennenast

Pinien, ihr schmiegt euch an sanfte Hügel, formt ein Meer, welches auch im Winter grün bis an den Grund der Akropolis hin reicht.

Pinientempel

Ein Wind kommt auf, formt eure Gestalt für die Ewigkeit, fährt durch Nadeln, Blätter, Äste, rauscht mit euch sein Lied.

Pinienblick

An den Abenden schüttet die Sonne ihr Gold über euren Zweigen aus und bemalt eure Stämme warm.

Pinienflamme

Ich möchte ich umarmen, eure Rinde wie Elefantenhaut unter meinen Fingerkuppen fühlen.

Pinienzapfenspiel*********

Und du, mein Mandelbaum, welch ungeduldiges Gewächs. Kaum zieht das letzte Kalt vorüber, platzen deine Knospen, erster unter den Blühenden willst du sein.

Mandel

Deine weiße Blüten stellen die Zeichen auf Frühling und fallen wie Schnee auf die noch schlafende Erde. Ich möchte sie aufheben und Schneebälle aus Blütenblättern formen, möchte die Erde sein, deren Haupt ihr schmückt. Ein Blütenglück von kurzer Dauer, wie es immer ist bei den kleinen, schönen Dingen. Umso schöner sie ganz aufzusaugen.

Mandel Schnee

Und nicht zu vergessen, mein Zitronenbaum: wie du jede Nische nutzt um deine Früchte an die Sonne zu halten.

Zitronenschwere

Eine Schwere voll reifer Früchte, die in meine Hand fallen, sobald ich ein einem Ästen drehe. Ein Duft, der auf meinen Handflächen haften bleibt und mir sagt, die Zeit ist reif.

Zitronenfülle

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Für alle, die Athen besuchen wollen und Bäume lieben: Im Filoupappou Park stehen beeindruckende Pinien, Zitronen und Orangen wachsen an jeder Ecke und die Mandelbäume blühen meist im Februar. Und natürlich sind da noch die Olivenbäume, denen ich mich einmal ausführlich widmen werde.

Die Steinwüste rauscht noch immer

Seit nun zwei Jahren lebe ich in Athen. Wie ganz zu Anfang, erklimme ich wieder den höchsten Hügel in der Stadt, den Lofos Lykavitou, um mir einen neuen Überblick zu verschaffen.

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Vor zwei Jahren habe ich damit das Athenmosaik begonnen: ich bin durch enge Straßen gewandert, habe ein Meer aus Kakteen überquert, habe den Lärm unter mir gelassen, um schließlich ehrfürchtig aber leicht verängstigt auf diese große Stadt unter mir zu blicken. Ich entschied mich trotz aller Furcht zu blieben.

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Heute stehe ich wieder hier und stelle fest: die Steinwüste rauscht noch immer, so wie sie es in den vergangenen 730 Tagen und in allen Tagen davor unaufhörlich getan hat.

Diese Vorstellung noch immer erdrückend, aber wenn ich heute auf das Häusermeer unter mir sehe, erkenne ich dort einzelne Mosaiksteine, die zuerst wie Pixel scheinen. Ich blicke auf Straßenschluchten, in denen ich mich zu bewegen gelernt habe, sehe Kirchenkuppeln, deren Glockenläuten ich kenne, ahne, wo sich Cafés unter Bäumen verstecken, kann mit dem Finger in eine grobe Richtung zeigen und sagen, hier wohne ich und werde wohl noch eine Weile bleiben.

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Ich gehe in die kleine weiße Kapelle und zünde eine Kerze an. Auf der Gebetsbank, den Rücken an die bemalte Kirchenwand angelehnt, sitzt eine alte Frau, mit einem sonnengebräunten Gesicht voller Falten, ihre Füße berühren beim Sitzen den Boden nicht. Sie sieht mir zu, wie sich das Licht entfacht.

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In der Ferne thront zuverlässig die Akropolis, in gelassener Zerbrechlichkeit, die mich manchmal bang werden lässt. Dahinter erstreckt sich das geliebte Meer, sogar die Inseln kann ich erkennen, und das Winterlicht scheint in hellem Gold mit einer Prise Silber.

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Vor der Kapelle verkauft ein Mann noch immer Fanta in Dosen, eine Katze schläft auf einer Kiste, Touristen machen Selfies und unter uns rauscht die Stadt – manche Dinge ändern sich nie.

Meine allerersten Artikel im Mosaik könnt ihr hier „Rauschenden Steinwüste“ und hier „unter mir“ nachlesen.

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Galerie

24 Türen aus Lesbos

Lesbos, von den Griechen Mytilini genannt, liegt an der Schwelle. Eine Tür nach Europa. Ort, an dem viele Füße zum ersten Mal europäischen Boden berühren. Küsten vor denen noch immer Schwimmwesten den Meeresgrund orange färben. Ursprungsort des berühmten Anis Schnaps, Ouzo. Drittgrößte griechische Insel, die um ihren Ruf als Urlaubsziel ringt.

2016 reiste ich für ein Dokumentarfilmprojekt einige Wochen durch Lesbos und war viel im Gespräch mit den Bewohnern, die auf persönliche Art in der Flüchtlingskrise Hilfe leisteten. Im Anschluss entstand das Fotografische Werk der „Türen von Mytilini“, aus dem ich nun für den Advent 24 Türen präsentiere. Die Fotografien sind in Anerkennung an all die unsichtbaren helfenden Hände aus der Insel gerichtet, die bereits vor dem Pressewirbel Gestrandete versorgen und es auch weiterhin tun.

Habt eine schöne besinnliche Adventszeit!

 

 

Wartende im Wasser

Tropfen klatschen, platschen laut, wie Applaus nach einem großen Erfolg. Eine schwarze Wolkendecke hatte sich zusammengezogen, rollte lautlos aber unstetig über die Berge in den Kessel unserer Stadt und erbricht sich nun lauthals über uns.

RegenparlamentSyntagma, Parlamentsvorplatz

Über dem Parlament macht der Schwall nicht halt, die Wachen flüchten ins Trockene, Touristen packen ihre Kameras unter ihre bunten Plastikjacken, ziehen die Schulten nach oben und rennen kopflos über rote Ampeln. Es hupt zwischen dem Platschen und sicher kracht es auch irgendwo.

Regenpassant

 

Omonia liegt verlassen im Schein weihnachtlicher Beleuchtung, unter Dachvorsprüngen und Türeingängen drängen sich Menschen ohne Obdach, ihre Decken zusammengerollt, dem Wasser zusehend, das sich durch das Schuhwerk in die Socken zieht.

RegenomoniaOmonia 

In Metaxourgiou treiben Zigarettenstummel im rosafarbenem Licht, Schiffe auf ungewisser Fahrt, beobachtet vom Hotelportier auf seiner Marmorstufe. In den Taxis warten Fahrer, in der Lobby warten Koffer und und hinter den Gardinen warten Reisende, Geliebte oder Personal.

 

RegenmetaxourgioMetaxourgio

Vor meiner Haustür wartet mein Kater, tritt von einem Bein aufs andere, miauend wenn sich mein Schlüssel im Schloss dreht.

 

Das Skelett eines Ufos

Am Fuße der Berge Athens scheint noch ein Ufo gelandet zu sein. Sein Gerippe ragt in den blauen Himmel, Rippen ohne Fleisch im geometrischen Bogen, schuppelose Gräten oder sind es federlose Flügel im Schwingen erstarrt?

Spiegel

Seenspiegel

Sonnentunnel

Extraterrestrisches Leben hat den Flugkörper bereits seit Jahren verlassen.

Rostrohr

Müllsammler sammeln nun Tüten aus Büschen, die der Wind her geweht hat. Ihre Rufe mit fremden Lauten verhallen über den Platz. Teiche liegen stumm daneben. Die Platten auf dem Platz platzen auf, Risse von Sonne, Wind und Schritten.

Eingang

Vogelwand

Sonnenwand

Eleganz, die von glorreichen Zeiten erzählt und der kein Rost Leid zufügt. Hört ihr die Jubelrufe? Seht ihr Schweißperlen von Stirnen rinnen? Siegestriumph? Oder stilles Versagen? Gold, Silber auf Treppchen gereiht in der Sonne funkelnd? Oder ein gesenktes Haupt? Lorbeeren, Fackeln und ewiges Feuer hat der Wind verweht.

Zentrale

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Die Bilder zeigen den Gebäudekomplex der Olympia Stätte im Athener Stadtteil Marousi, die den Namen Olympiastadion Spyros Louis trägt.

Der Name nach dem Wasserträger Spyros Louis genannt, der bei den ersten Olympischen Spielen in der Neuzeit um 1896 den Marathon gewann und der in Marousi lebte und starb.

Die Arena wurde bereits 1982 errichtet und 2004 für die Olympischen Spiele erneuert und umgebaut. Der Umbau und die Erweiterung wurden von dem spanischen Architekten und Künstler Santiago Calatrava durchgeführt, der bekannt ist für seine organischen, subkulturellen Bauten.

Moosboden

Heute nutzt der Fußballverein AEK das Stadion. Oder Menschen aus Athen fahren mit dem Fahrrad über die Weite des Geländes. So wie ich an einem dieser Tage.

Ufo voll terrestrischem Leben

In der Nähe der Küste Athens scheint ein Ufo gelandet zu sein. Mächtig ohne schwer zu sein, ruhig voll klarer Linien, auf seinem Rücken mit einer grünen Decke überzogen, aus der Olivenbäume sprießen; so liegt das Ufo vor der Stadt.

Kinder hüpfen auf Trampolinen, von den Bäumen klingen Klangspiele, der Duft von Lavendel und Rosmarin fliegt durch Luft, Fahrradwege ziehen sich wie Venen durch das Grün – über eine Brücke hinweg bis ans Meer.

Tours-Stavros-Niarchos-Park-AthensFotografie: SNFCC – Yiorgis Yerolymbos

Am Ende des grünen Rückens verraten schlanke Säulen die ein flaches Dach tragen das Ufo, welches weit größer ist als gedacht: Plötzlich fällt der Hügel steil ab und es kommt das gläserne Innere des Ufos zum Vorschein:

Fasade

Steile Fensterfronten in glatten Beton geben den Blick frei auf Wände voller Bücher, davor bunte Sessel auf denen die Besucher des Ufos lümmeln. Und überhaupt wimmelt es überall von Menschen, die in den Hallen in flüsternder Andächtigkeit wandeln und in einem ständigen Staunen die Köpfe recken.

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Vor dem gleichzeitig stolzen und filigranen Ufo erstreckt sich ein großer Platz mit türkisfarbenen Stühlen, um die Kinder mit Rollschuhen fahren und Eltern Kaffee schlürfen. Fein gekleidete Operngäste, lesende Studierende oder tobende Kinder scheinen sich aneinander nicht zu stören. Die einen essen günstige Nudeln mit Soße, die anderen trinken teuren Wein und Kinder wollen sowieso alle immer nur Eis.

Sailing-Stavros-Niarchos-AthensFotografie: courtesy of SNFCC – Yiorgis Yerolymbos

Hinter dem Platz liegt ein rechteckiger See um den die Menschen flanieren und winzigen Segelbooten zuwinken. Mit dem Einsetzen der Dämmerung werden es immer mehr Menschen und dann wird der grüne Rücken des Ufos von vielen kleinen Lichtern erfüllt, die aus der Erde leuchten.

Stavros-Niarchos-Center-Athens-ParklandsFotografie: courtesy of SNFCC

An den Sommerabenden mischen sich bunte Strahler unter die Lichter, es schallt Musik über dem grünen Rücken auf dem nun Menschen im Gras liegen oder ihre Körper zu den Bässen bewegen solange bis nur noch die Grillen in den Bäumen zirpen und das Ufo sich allein in den Nachthimmel Athens zeichnet.

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Das Ufo trägt den Namen „Stavros Niarchos Foundation“ ist eine Schenkung an den Griechischen Staat, von Piano Renzo geplant und im Jahr 2016 fertiggestellt. Diese Stiftung geht auf den griechischen Reederer und Kunstsammler Stavros Nirachos zurück, der 1996 verstarb.

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Das Kulturzentrum der Stavros Niarchos Foundation beherbergt ausserdem die Griechische National Bibliothek und die Nationaloper. Ich empfehle allen Reisenden diesen Ort anzusehen, um dieses neue Gesicht Athen zu erleben.  Mehr Informationen gibt es unter: https://www.snf.org/  und https://www.snfcc.org/visitors-center/events/