Goldflüsse auf dem Hügel der Musen

Ist es das Wissen darum, dass diese Strahlen die Letzten des Tages sind, bevor die Sonne verschwindet? Ist es dieses Wissen, ob ihrer Endlichkeit? Was zieht uns am Abendlicht in Bann? Was ist es, dass mich beim Anblick der Abendsonne einen Spur Traurigkeit fühlen lässt? Tagelang liegt Athen in der Hitze und ich steige auf einen Berg, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, als hätte ich noch nicht genug.

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Sind es die Strahlen, die nun nicht mehr heiß brennen, sondern für kurze Zeit rote, flache und warme Schatten werfen?

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Auf den Wegen ist rotes Gold verschüttet, auf das ich vorsichtig meine Schritte setze, irgendwie verwundert, dass nichts an meinen Sohlen haften bleibt.

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Und hier sehe ich mich plötzlich selbst im Flammenschatten oder im Goldfluss.

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In den allerletzten Zügen scheint die Sonne noch einmal ihre volle Farbkraft hervorzuholen, wie zum Beweis, dass es noch nicht vorbei ist. Sie taucht alles in Feuer. Die trockenen Gräser scheinen in Brand gesteckt zu sein, auf den Stämmen flackern Flammen, die Nadeln beginnen schon fast zu knistern. Das letzte Licht lodert noch einmal auf.

lichtspiele8All Abendlich steht der Filopappou Hügel in Sonnenflammen, Menschen ziehen es auf seinen Gipfel, um die Sonne hinter Athen untergehen zu sehen. Die alten Griechen glaubten, dass auf diesem Hügel die neun Musen lebten. Ich kann sie in ihrem Glauben gut verstehen.

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Fotografieren heißt schreiben mit Licht. Daran denke ich immer dann, wenn ich mit meiner Kamera losziehe um Bilder einzufangen. Fotografie, ein Wort, das aus dem Griechischen kommt: φῶς heißt Licht, (φωτός im Genitiv), gesprochen wird es Photos und γράφω, grafo bedeutet schreiben und zeichnen.

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Nach dem Sonnenuntergang wartet die Sternwarte auf dem Hügel auf den Nachthimmel.

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Agistri mit Freddo

Wer die folgenden Zeilen ließt, sollte sich vorsichtshalber gleich einen Eiskaffee bereitstellen und wenn möglich die Zehen in Sand stecken, es kann notfalls auch eine Sandkiste sein.

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Für Fernweh und sofortige Reiselust übernehme ich keine Verantwortung.

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In den frühen Morgenstunden, wenn die Strände noch leer sind und die Insel der Sonne noch verschlafen entgegen blinzelt.

Wenn der Sand noch kühl ist, und sich meine Zehen darin vergraben möchten. Wenn die streunenden Katzen sind noch ungefrühstückt sind und den Hunden beim Gassigehen zusehen.

Dann kommt die erste Fähre an.

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Die morgendliche Fähre spuckt neue Athener aus, die wie ich ihre Zehen in den kühlen Sand stecken möchten.

Sich unter Pinien legen, einmal ganz das Häusermeer vergessen, und den Himmel bestaunen, der hier so anders ist.

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Sie kommen mit bunten Strandtaschen und Badelatschen, den Bikini schon gleich angezogen, eingehüllt in den Geruch von Sonnenmilch. Sie schwirren aus, holen sich den zweiten* kalten Cappuccino (Freddo) auf Eis zum mitnehmen, schleichen auf Pfaden zu versteckten Stränden im Pinienwald, bauen sich Lager, Sonnensegel und breiten Decken aus. Essen frische Kirschen, die sie noch schnell am Hafen gekauft haben, stecken den Freddo Cappuccino in den Sand, strecken die Beine in die Sonne und warten, bis sie braun werden.

*den ersten Freddo trinkt man bereits an Deck

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Irgendwann, wenn die Kirschen als Kerne im Sand liegen, und die Reste der Sesamkringel als Krümel daneben, wenn der Magen knurrt und die Sonne zu heiß wird, dann schleichen sie sich wieder ins Dorf zurück.

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Bei Tasos in der Taverne sind noch Tische im Schatten frei, er spannt ein Papiertuch darüber und stellt kaltes Wasser dazu. Wer wenig Geld hat, isst „Souvlaki ap ola“ (mit allem), wer verliebt ist, sagt „choris kremidi“ (ohne Zwiebel). Zum Nachtisch gibt es Melone in Stücke, ein Geschenk des Hauses. Der Kaffee danach darf nicht fehlen und jetzt schnell zurück zum Strand, um im Schatten den Bauch in Ruhe verdauen zu lassen.

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Die Zeit bis zur letzten Fähre vergeht zu schnell, noch ein letztes Bad, noch einmal in der Sonne trocknen um dann mit Salzresten auf der Haut, auf Badelatschen durch den Pinienwald zu rennen, durchs Dorf, Tasos zum Abschied zu winken, gerade noch die Fähre zu erwischen.

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Sie strömen an Deck, lehnen übers Geländer, sehen zu wie die Insel immer kleiner am Horizont verschwindet und dann Athen als Lichtermeer am anderen Horizont erscheint.

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Die Insel Agistri ist vor allem bei Studierenden aus Athen beliebt, weil man so einfach am Wochenende schnell hin fahren kann. Manche übernachten eine Nacht und legen sich an einen der abgelegenen Strände, manche schlagen kurz ein Zelt auf, und manche schlagen sich so den ganzen Sommer über durch. Wer die Insel erkunden möchte, leiht sich ein Fahrrad, oder nimmt den Bus, der zu anderen Stränden fährt. Außer den Hafenörtchen gibt es Pinienwald, Strände und einen Himmel, der sich darüber spannt und einen vergessen lässt, dass Athen nur zwei Stunden entfernt liegt.

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****** Tipps für Reiselustige ********

Agistri ist mehrmals täglich aus Athen per Fähre zu erreichen. Da die schönsten Strände kaum Schatten haben, empfiehlt es sich einen Sonnenschirm mitzunehmen, oder an einen der Strände am Hafenörtchen zu gehen. Per Bus kann man auch den Strand Aponisos erreichen, hier gibt es einen Bereich mit Sonnenschirmen und eine kleine Taverne.

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Wer hat diese Wolken getanzt?

Unter dem Himmel spannt sich ein Meer, dessen Wellen so glatt sind, dass ich fürchte unser Boot zerschneide ein feines Tuch. Der Himmel wölbt sich und hat für uns Gemälde gemalt. Sie spiegeln sich auf der glatten See wider. Wolken wie getanzt, wie aus einer Feder gezogen, wie gehaucht. Die Inseln liegen bedächtig staunend darunter, schlafend und türkis träumend.

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Ich versinke, mein Blick taucht ins farbige Wasser, weiße Gischt schäumt neben unserem Boot bis eine Möwe mich aus meiner Versunkenheit weckt. Das Wasser unter ihr wird zum Himmel, vor dem sie gleitet, begleitet vom Wellenspiel, bis mir schwindelt.

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Wir legen an. Auf der Insel scheint es nur den Himmel zu geben, und ringsherum das Meer. So weit ich auch gehe, ich sehe um die nächste Bucht nur wieder Meer, in alle Farben getaucht.

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Ich laufe zum Sonnenuntergang, der nur um eine Biegung weiter passiert. Schneller als ich es mir wünsche, fällt die Sonne ins Meer und hinterlässt ihre goldenen Schlieren als letzten Gruß. Dachte ich. Aber die Malerei des Himmels ist damit noch nicht zu ende.

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Jetzt werden Pasteltöne aufgezogen, sanftes Violett aus den Bergen hervorgezogen.

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Ich verneige mich. Erst als das letzte Bunt zu sehen ist, zünden die Menschen ihre Lichter an. Und wieder ist es das Meer, das diese Lichter widerspiegeln darf. Ich werde nicht müde zu sehen.

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Die Wolkenmalereien habe ich auf der Fahrt von Athen über den Saronischen Golf nach Agistri eingefangen. Auf Agistri bin ich an Land gegangen und durfte die Sonne bestaunen. Agistri ist eine kleine Saronische Insel, die zwei Stunden von Athen entfernt liegt. Weil sie nur 14m² groß ist, sind der Himmel und das Meer zwei ständige Begleiter.

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Ausschwärmen

Wenn in die schmalen Gassen die Schatten fallen, das Sonnenlicht sich nur noch auf manchen Fassaden bricht, wenn kleine, bunte Lichter die Eingänge erhellen, dann wagen wir uns hinaus.

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Hinaus in die Abendwärme, hinein in die Gassen, aus denen Stimmen klingen und Gläser klirren, Moskitos schwirren und sich Touristen mit Strohhüten verirren.

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In Schwärmen fliegen wir aus, auf der Suche nach Laternen, setzen uns auf bemalte Metallstühle, auf gemusterte Kissen, lassen uns kaltes Wasser in Karaffen bringen, zünden Zigaretten an, bestellen bunte Flüssigkeiten auf Eiswürfeln, schlagen die Beine übereinander, legen unsere Sonnenbrillen ab, rufen uns zu, lachen laut, schauen uns um, lehnen uns zurück, und loben den Sommer.

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Die Fotografien sind in dem Stadtviertel „Psiri“ entstanden, welches zentral in Athen liegt und eine unzählige Fülle an Bars, Cafés und Tavernen birgt. Mit dem Sonnenuntergang füllt sich das Viertel und bleibt bis in die Nacht hinein von Stimmen erfüllt.

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Wer immer nach Athen kommt und „Psiri“ besucht, dem rate ich auf der Platia einen Kuchen bei Nancy Σερμπετόσπιτο zu bestellen, und wer einen Eindruck in die alternative Kulturszene bekommen will, kann sich das selbstverwaltete Theater „Embros“ ansehen (Riga Palamidou 2 ), in dem fast täglich Veranstaltungen stattfinden. Ansonsten rate ich euch, wie immer, sich einfach mitten in die Stadt und in das Gemenge zu werfen und selbst neue Mosaiksteine zu entdecken.

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Der große Freitag in Griechenland

Die Glocken der über das Land verstreuten Kirchen schlagen vereinzelte Töne, um dann wieder für eine lange Pause zu verstummen. Über der Insel liegt eine schwere Stimmung. An den Abenden gehen die Menschen in die Kirchen, deren Türen immer offen stehen und gedenken der Kreuzigung.

Ostern, und somit auch die Karwoche, werden in Griechenland nach orthodoxer Tradition nicht immer zeitgleich mit dem katholischen oder evangelischem Ostern gefeiert, sondern dieses Jahr eine Woche später. Ich bin wieder einmal nach Andros gereist, um die Feiertage dort zu erleben.

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Aus den kleinen Dorfkirchen in den Bergen klingen Gesänge aus den Lautsprechern und werden vom Wind über das Tal gestreut. Sie mischen sich mit dem Meereswind und den Glocken.

In der Kirche schmücken alle gemeinsam einen symbolischen Sarg mit weißen Blüten, und die Kinder zupfen Blütenblätter in einen geflochtenen Korb, Öl aus Jasminblumen wird auf die Handflächen getropft.

Leuchtsarg

Am Karfreitag Abends versammeln sich die Menschen nicht wie an den anderen Tagen dieser heiligen Woche in der Kirche, sondern warten davor. Sie warten vor allen großen Kirchen, bei manchen wartet noch eine kleine Musikkapelle. Es ist Nacht und längst dunkel, als der Pfarrer und einige Männer aus dem Dorf, den mit Blumen geschmückten Sarg aus der Kirche tragen. Sie tragen ihn auf ihren Schultern durch die Gassen, begleitet von Gesängen und Klängen der Kapelle. Wir folgen dicht, und der Sarg leuchtet in den schmalen Gassen. Vor jeder Kirche, die wir passieren, hält der Zug an und der Pfarrer segnet das heilige Haus. Menschen läuten bedächtig mit dicken Seilen die Glocken im Turm.

Gassenlicht

Wir wandern bis ans Meer, welches schwarz unsere Lichter spiegelt. Wir ziehen an Häusern vorbei, vor denen an den Türen Weihrauch auf einer Kohle verbrennt und alle Gassen mit Rauch berauscht. Von manchen Balkonen werfen die Menschen Blütenblätter, die sich in Haare legen und auf unsere Schultern. Allen voran der leuchtende Sarg auf starken Schultern. Und um uns eine Schwere.

Unser Zug kreuzt andere Prozessionen aus den anderen Kirchen, bis sich alle auf dem Hauptplatz versammeln, wo nun die leuchtenden Särge so weit wie möglich in die Höhe gehalten werden.

Danach zieht jede Prozession wieder zum Ausgang zurück, dort wird der Sarg vor dem Kircheingang platziert. Die Menschen werden noch leiser, und der Priester klopft an die verschlossene Kirchentür. „Wer ist dort?“ wird von Innen gerufen. „Ich bin es Christus“ erwidert der Pfarrer. Und nach einem kurzen Dialog, wird die Türe aufgestoßen, und der Priester betritt wieder seine Kirche. Die Wartenden gehen nun unter dem Sarg hindurch, in die Kirche hinein, und hoffen dabei auf Glück.

Sie wünschen sich xronja polla, was „viele Jahre“ bedeutet und gehen nach Hause, den am nächsten Tag steht der große Samstag an.

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Die Fotografien sind in Chora und im Kloster Panteleimon auf der Insel Andros entstanden. Um ganz den Moment zu erleben, habe ich diesmal nur wenige Bilder fotografiert. Wer mehr von dieser Stimmung erleben will, dem rate ich Ostern einmal in einer ländlichen Gegend in Griechenland zu feiern, am besten die ganze Karwoche.

Schauspiel in blau weiß

Noch sind die Kafenions leer, die gläubigen Orthodoxen sitzen seit der Morgendämmerung in der Kirche und lauschen der Verkündung. Später erst stoßen die Langschläfer durch die offen stehenden Türen dazu, jeder kann hier kommen und gehen wann er will.

Kirchgang

Es ist der 25. März, der Tag der Maria Verkündung* und gleichzeitig auch der Nationalfeiertag**, ich habe wie viele andere aus Athen das lange Wochenende genutzt, um das Schauspiel auf einer Insel zu verfolgen: Wie so oft auf dem geliebten Andros.

Tische

Aus der Kirche geht es ins Kafenion unter der Platane, gewartet wird jetzt bis die große Parade beginnt.

Auf dem Kirchvorplatz haben sich nun die Bewohner und Bewohnerinnen des Inselhauptstädtchens versammelt. Es liegt eine aufgeregte, vorfreudige Stimmung in der Luft, wie hinter den Kulissen kurz bevor der Vorstellung.

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Verträumte Gesichter warten in der Mittagssonne auf den großen Moment: Einmal alle zusammen als Gemeinde durch den Ort marschieren.

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Allen voran der Bürgermeister und sein Gefolge.

Gefolge

Danach folgt die Kapelle, und dann die Kinder bis zur Jugend, Schülerinnen in knappen Röcken, Schüler der Marineschule und ein streunender Hund.

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Schulparade

Die Athener schießen von den Cafés aus Fotos, um wie ich die Nostalgie einer anderen, für uns längst vergangenen Welt einzufangen. Wie ein Schmetterlingsfänger mit seinem Netz.

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Wir belächeln und beneiden zugleich das Schauspiel der Provinz: Vom Stolz des Bürgermeisters und seinem Gefolge, wie er gleich durch das Tor schreitet, und ihn dann ein Blitzlichtgewitter empfängt, das leider in der Sonne untergeht.

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Vom Zauber der Insel, den wir auf den Gesichtern der Kinder lesen, die Fahne haltend, Kopftücher aus weißem Stoff die in der Sonne leuchten.

Danach gehen alle in die Tavernen und essen Bacalhau mit Knoblauch Creme**, eine heute erlaubte Ausnahme in der Fastenzeit. Am Abend steigen die Athener wieder auf ihre Fähren, lassen die Insel hinter sich, den Zauber und die Prise der Nostalgie.

Häuserflucht

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*Am 25. März wird Maria Verkündung gefeiert, von den Griechen „Evangelismos Theotokou“ (Ευαγγελισμος Θεοτοκου) genannt. Der Begriff „Evangelium“ (εὐαγγέλιον) kommt aus dem Griechischen und bedeutet „gute Nachricht“. Der Engel Gabriel soll an diesem Tag Maria die Nachricht überbracht haben, dass sie den Sohn des Heiligen Geistes zu gebären werde.

**Der Nationalfeiertag bezieht sich auf den 25. März 182, den Beginn der griechischen Revolution gegen die Herrschaft der Osmanen und für eine unabhängige griechische Republik.

***Wer jetzt Lust auf Knoblauch bekommen hat, findet das Rezept zur Knoblauch Creme, die an diesem Tag traditionell gegessen wird auf diesem schönen griechischen Food Blog „Zitronen und Olivenöl“.

Vom Lauf der Inselflüsse

Als Insel ist Andros von allen Seiten von Wasser umgeben. Jetzt, da der Schnee auf den Bergen eben geschmolzen ist, bilden sich Bäche, die zu reißenden Flüssen werden und nach einer kurzen aber wunderschönen Reise ins Meer münden.

Brücke

Die Bewohner der Insel erzählen, nach diesem Winter seien selbst lang vergessene Quellen, die man schon versiegt glaubte, wieder zum Leben erwacht. Sie entspringen in heiligen Klöstern, oder versteckt zwischen grünem Gras in der Einsamkeit der Gipfel.

Pferdeweide

Auf warmen Steinen sonnt sich eine Schildkrötenfamilie, Schwäne treiben stolz darüber hinweg und Pferde stehen im Dämmerlicht.

Schildkröte

Um die Bachläufe sammelt sich Grün in Hell und Dunkel und anderen Tönen, für die ich keine Wörter finde. Dazwischen sind die unzähligen Blumenfarben getupft, ein unendlicher Teppich als Wegbegleitung.

Auf diesem Weg sammeln die Bäche so viele Freunde ein, dass sie zu einem Fluss anschwellen, der sich mühelos über die menschengemachten Straßen hinwegsetzt.

Wegabschneider

Beim Wandern muss ich oft meine Schuhe ausziehen und barfuß durch das kalte Wasser waten. Wenn ich durstig bin, beuge ich mich zum Wasser und trinke aus der hohlen Hand.

Spiegelbach

Ich begleite mit den Bunt der Blumen den Lauf des Wassers, von Berg bis in sein Tal. Tiere weiden hier auf fruchtbaren Feldern, die nach einer Weile in einem Schilfwald enden. Dahinter liegt der Strand und dahinter das weite Meer.

Strandfluss

Der Fluss bahnt sich seinen Weg durch den Sand, teilt den Strand in zwei ungleiche Hälften, bevor er sich mit dem großen Wasser vereint und salzig wird.

MündungMündung bei Chora, dem Inselhauptstädtchen

Fast tut es mir weh, das süße Wasser münden zu sehen. Im Sommer werden wir jeden Tropfen in Ehren halten.

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Andros ist eine große Insel in Griechenland, die zu den Kykladen zählt. Sie ist im Vergleich zu den anderen Kykladeninseln sehr bergig und hat selbst noch in den heißen Sommern Trinkwasser und Bäche, was sie zu einer grünen Insel macht.

Schichten

Ab März kann man vielen gut beschilderten alten Pfaden wandern und dabei verwunschene Orte entdecken.  Die Fotografien sind alle auf der Wanderung von Falika nach Chora entstanden. Bei weiteren Fragen gebe ich euch gern Auskunft.

KircheImGrün

Fleisch, Rauch und Trommelwirbel – Karneval in Athen

Die ganze Stadt riecht nach Fleisch und Rauch, es ist „Tsiknopemti“ und überall wird gegrillt. Vor den Tavernen stehen auf den Bürgersteigen große Grills, die mit Spießen belegt sind. Das Fett tropft in die heiße Glut, Oregano wird mit kohlegeschwärzten Händen aus großen Plastikschalen über das Fleisch geworfen. Pitabrote werden mit Olivenöl bestrichen und über die Glut gehalten. Straßenhunde liegen gespannt auf der Platia und warten.

Souvlaki

Auf ihren Dachterrassen stellen die Menschen dreibeinige Grills auf, der Rauch steigt in den Himmel, Tsatsiki wird auf kleine Tische gestellt und die Zitronen frisch vom Baum geholt.

Titelmaske

Der griechische Karneval wird „Apokries“ genannt, was so viel wie „Fleisch vorbei“ bedeutet. Die Woche, als deren Höhepunkt der „Tsiknopemti“ gilt, ist die Fleischwoche. Danach folgt die Käsewoche, denn die gläubigen Orthodoxen Griechen sollen in der Fastenzeit auch auf Milchprodukte und Eier verzichten.

Maskenwand

An den Sonntagen der Karnevalszeit gibt es in dem Stadtteil Metaxourgio Straßenumzüge, die bunt, laut und chaotisch sind. Es wird getrommelt, getanzt und bis in die Nacht um die Häuser gezogen.

Bläser

Zuschauende vermischen sich mit den trommelndem Zug, es wird für eine bessere Sicht auf parkende Autos geklettert, Konfetti mischt sich mit den Bunt der Graffitis.

Badman

Karneval in Griechenland ist nicht nur später als in Deutschland, sondern auch ganze drei Wochen lang. Die größte Sause findet in Patras statt, der griechischen Karnevalshochburg.

Trommelwurf

Dieses Jahr ging es am 17. Februar los, und vorbei sein wird es erst am Montag, 11. März. Diesen Abschluss der Karnevalszeit bildet der „Saubere Montag“, an dem man bunte Drachen steigen lässt. Über diese Tradition habe ich bereits letztes Jahr bereits berichtet, ihr könnt hier über die Drachen des sauberen Montags lesen.

Federhelm

Von Pinienleuchten und Mandelblütenschnee

Dieser Text sei den Bäumen in Athen gewidmet, die ich liebe.

Mandarinen Traum

Bäume in Athen, von oben gesehen scheint es euch kaum zu geben. Zwischen den Straßen versteckt ihr euch, brecht mit euren Wurzen den Asphalt der schmalen Wegen auf, sprengt Felsen und gebt euch mit trockener Erde zufrieden.

Antennenast

Pinien, ihr schmiegt euch an sanfte Hügel, formt ein Meer, welches auch im Winter grün bis an den Grund der Akropolis hin reicht.

Pinientempel

Ein Wind kommt auf, formt eure Gestalt für die Ewigkeit, fährt durch Nadeln, Blätter, Äste, rauscht mit euch sein Lied.

Pinienblick

An den Abenden schüttet die Sonne ihr Gold über euren Zweigen aus und bemalt eure Stämme warm.

Pinienflamme

Ich möchte ich umarmen, eure Rinde wie Elefantenhaut unter meinen Fingerkuppen fühlen.

Pinienzapfenspiel*********

Und du, mein Mandelbaum, welch ungeduldiges Gewächs. Kaum zieht das letzte Kalt vorüber, platzen deine Knospen, erster unter den Blühenden willst du sein.

Mandel

Deine weiße Blüten stellen die Zeichen auf Frühling und fallen wie Schnee auf die noch schlafende Erde. Ich möchte sie aufheben und Schneebälle aus Blütenblättern formen, möchte die Erde sein, deren Haupt ihr schmückt. Ein Blütenglück von kurzer Dauer, wie es immer ist bei den kleinen, schönen Dingen. Umso schöner sie ganz aufzusaugen.

Mandel Schnee

Und nicht zu vergessen, mein Zitronenbaum: wie du jede Nische nutzt um deine Früchte an die Sonne zu halten.

Zitronenschwere

Eine Schwere voll reifer Früchte, die in meine Hand fallen, sobald ich ein einem Ästen drehe. Ein Duft, der auf meinen Handflächen haften bleibt und mir sagt, die Zeit ist reif.

Zitronenfülle

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Für alle, die Athen besuchen wollen und Bäume lieben: Im Filoupappou Park stehen beeindruckende Pinien, Zitronen und Orangen wachsen an jeder Ecke und die Mandelbäume blühen meist im Februar. Und natürlich sind da noch die Olivenbäume, denen ich mich einmal ausführlich widmen werde.

Die Steinwüste rauscht noch immer

Seit nun zwei Jahren lebe ich in Athen. Wie ganz zu Anfang, erklimme ich wieder den höchsten Hügel in der Stadt, den Lofos Lykavitou, um mir einen neuen Überblick zu verschaffen.

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Vor zwei Jahren habe ich damit das Athenmosaik begonnen: ich bin durch enge Straßen gewandert, habe ein Meer aus Kakteen überquert, habe den Lärm unter mir gelassen, um schließlich ehrfürchtig aber leicht verängstigt auf diese große Stadt unter mir zu blicken. Ich entschied mich trotz aller Furcht zu blieben.

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Heute stehe ich wieder hier und stelle fest: die Steinwüste rauscht noch immer, so wie sie es in den vergangenen 730 Tagen und in allen Tagen davor unaufhörlich getan hat.

Diese Vorstellung noch immer erdrückend, aber wenn ich heute auf das Häusermeer unter mir sehe, erkenne ich dort einzelne Mosaiksteine, die zuerst wie Pixel scheinen. Ich blicke auf Straßenschluchten, in denen ich mich zu bewegen gelernt habe, sehe Kirchenkuppeln, deren Glockenläuten ich kenne, ahne, wo sich Cafés unter Bäumen verstecken, kann mit dem Finger in eine grobe Richtung zeigen und sagen, hier wohne ich und werde wohl noch eine Weile bleiben.

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Ich gehe in die kleine weiße Kapelle und zünde eine Kerze an. Auf der Gebetsbank, den Rücken an die bemalte Kirchenwand angelehnt, sitzt eine alte Frau, mit einem sonnengebräunten Gesicht voller Falten, ihre Füße berühren beim Sitzen den Boden nicht. Sie sieht mir zu, wie sich das Licht entfacht.

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In der Ferne thront zuverlässig die Akropolis, in gelassener Zerbrechlichkeit, die mich manchmal bang werden lässt. Dahinter erstreckt sich das geliebte Meer, sogar die Inseln kann ich erkennen, und das Winterlicht scheint in hellem Gold mit einer Prise Silber.

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Vor der Kapelle verkauft ein Mann noch immer Fanta in Dosen, eine Katze schläft auf einer Kiste, Touristen machen Selfies und unter uns rauscht die Stadt – manche Dinge ändern sich nie.

Meine allerersten Artikel im Mosaik könnt ihr hier „Rauschenden Steinwüste“ und hier „unter mir“ nachlesen.

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