Wandern im Pilion

Weil die Touristeninformation geschlossen hat, und wir keine Wanderkarten besitzen, fragen wir uns im Dorf nach einer guten Route durch. Ein Mann in Waldarbeiterkleidung verrät uns einen Rundweg, der uns oberhalb von Tsagkarada bis zum Gipfel führt. Rote Punkte markieren den Weg, neben dem Veilchen blühen und Esskastanien in stachliger Schale liegen. Zwischen den Baumstämmen blinkt das Meer hindurch. So kommen wir auf den Kalderimi, den traditionellen Pfaden, auch ohne Karte zum Gipfel.

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Eine kleine Kirche des heiligen Athanasios steht dort zwischen den Kastanienbäumen, der Schlüssel steckt im Schloss, und wir zünden die Ölkerzen vor den Ikonen an. Der Rückweg führt uns durch an vereinzelten Häusern vorbei, vor denen bunte Blumen in alten Olivenölkanistern blühen.

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In dem Dorf mit dem einprägsamen Namen Xorichti treffen wir auf das Kastanienfest, bekommen geröstete Esskastanien geschenkt und dürfen Volkstänze bestaunen. Um uns ist das ganze Dorf in einer feierlichen Aufregung, mitten in der provinzieller Verschlafenheit.

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Wir wandern weiter, manchmal durch Wolken, passieren einsame Strände in felsigen Schluchten, durchqueren Schafherden, erklimmen unzählige winzige Steinstufen und treffen dabei fast nie auf andere Menschen. Die Vegetation verändert sich mit unserem Abstieg von den Bergen zum Meer hinunter. Die Kastanienbäume enden wie an einer unsichtbaren Grenze und Olivenbäume nehmen ihre Plätze ein.

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Und nach vielen Stufen falle ich erschöpft auf eine große Ruhebank.

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Mit dem Einbruch der Dunkelheit sind wir wieder in Tsagkarada angekommen, kehren hungrig in einer Taverne ein, in der uns kein anderer als der Mann in Waldarbeiterkleidung bedient, jetzt als Kellner gekleidet. Überhaupt scheint es, als wären wir in einer Theateraufführung, in der die Statisten immer von den gleichen wenigen Darstellern besetzt sind.

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Die Aufführung in Tsagkarada ist aber allen zu empfehlen, die sich nach buntem Laub, Esskastanien, Wandern mit Meerblick und Abgeschiedenheit sehen. Aufgeführt wird es in dieser Art jedoch nur im Herbst. Wir raten dazu im Hotel Unicorn zu übernachten , bei „Aleka’s“ zu speisen, und die Rundwanderwege einmal oberhalb (Kennzeichnung Nr. 5) des Dorfes über Agios Athanasios und einmal unterhalb (Nr. 4) über Fakistra und Doumachari an die Küste zu wandern.

Für alle, die mehr Vorbereitung mögen, empfehlen sich die Karten aus dem Verlag TERRAIN, die es vor Ort zu kaufen gibt oder die bestellt werden können. ISBN: 9789609456173. Routen für weitere Wanderungen gibt es auch unter www.pilionwalks.com, auf mehreren Sprachen, von einem niederländischen Paar zusammengestellt.

Die Wanderwege sind von unzähligen Wildkräutern gesäumt und an einem dieser Wege sitzt plötzlich ein Mann hinter einem kleinen Tisch und bietet selbstgemachte Marmeladen und gesammelten Tee an. Unter dem Tischtuch holt er ein Buch hervor, dass er selbst verfasst hat, ein Buch über „Blumen und Kräuter im Pilion“. Es ist ein unglaublicher Schatz, der uns auf den nächsten Wanderungen den Reichtum zu unseren Füßen offenbart. Es ist von Rainer Scheppelmann und Giogos Giannakaros, auf Deutsch und Englisch.

Neben Tsagarada gibt es noch andere kleine Dörfer, die sich zwischen den Hügeln verstecken und die es sich lohnt zu entdecken. An dieser Stelle sei nicht alles verraten, damit für diejenigen, die sich auf den Weg in den Pilion machen noch freudige Überraschungen zu entdecken bleiben…

ptr… wie zum Beispiel diese Höhle des Kentauren Chironas in Milies.

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Pilion im Herbst

Weil man vom Herbst in Athen kaum etwas vernimmt, fahren wir zum Pilion, das Gebirge in dem die Götter Urlaub machten und die Kentauren* hausten.

Nach einer vierstündigen Fahrt von Athen aus gen Norden, erreichen wir hinter der Stadt Volos den Pilion. Die Straße schlängelt sich durch Laubwälder hindurch und gibt immer wieder atemberaubende Blicke auf das Meer frei, das irgendwo unter uns liegt und mit dem Blau des Horizonts eins geworden ist.

Baumkronen

In den Baumkronen über uns leuchtet das Laub farbenfroh, Nebelschwaden ziehen durch die Schluchten und es riecht nach Kaminfeuer, wenn wir kleine Dörfer passieren.

VolosVolos

Wir erreichen Tsagkarada, ein Bergdörfchen in Ostpilion mit Einbruch der Dämmerung. Hier liegt in einer der gewundenen Straßen unser Hotel. Im Dachstuhl klafft ein Loch, im Garten, der auf den Fotos mit einer Cocktailbar ausgestattet inklusive Pool war, steht das Gras hoch um den leeren Pool und eine Hängematte verrät noch von vergessenen Zeiten. Über allem liegt ein Schleier des Vergangenem, des Sommers, der sich nun in fallendes Laub und Tau auf den Gräsern verwandelt hat.

Haus_tsakaradaHaus in Tsakgarada

Wir sind die einzigen Gäste wie es scheint, geheizt wird mit Holz in einem Kamin neben dem Bett, und vom Balkon aus sehen wir wie gewünscht bunten Herbst und dahinter das Meer. Die Hausherrin schenkt uns eine Flasche selbstgemachten Wein, der mich in der Nacht von wilden Kentauren träumen lässt.

 

Der nächsten Tag beginnt mit der Suche nach Frühstück, ein Abenteuer in einem Bergdorf außerhalb der Saison. Ein schmaler Wanderpfad führt uns zur Platia, dem Hauptplatz des Ortes, der von zwei Restaurants, einem Souvenirgeschäft und einer Kirche gesäumt ist. In der Mitte thront eine uralte Platane, deren Stamm mich an Elefanten denken lässt.

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Es ist kurz nach zehn Uhr und kein Mensch zu sehen. Das Laub fällt langsam auf die kleinen Tische, die unter den schweren Ästen auf dem Platz aufgestellt sind. Alles ist verschlossen, sogar die Kirche und wir haben nun wirklich Hunger. Als wir eben gehen wollen, kommen drei Kellner heran geeilt und öffnen das Restaurant. Einer schiebt hastig das Laub zwischen den Tischen zu dem Haufen, auf dem sich bereits Laub aus vergangenen Wochen türmt. Der andere nimmt unsere Bestellung auf und der dritte dreht die Musik auf, die jetzt den ganzen Platz beschallt.

Es schlägt halb Elf Uhr und eine Schar griechischer Touristen strömt auf den Platz, bevölkert die Tischchen, fotografiert sich vor der Platane, bestellt Capuccino und verlangt nach dem Schlüssel der Kirche.

So wie der Reisebus pünktlich kommt, fährt er eine halbe Stunde später auch wieder. Und wir können uns gestärkt auf den Weg machen den Herbst im Pilion zu entdecken.

*Kentauren sind Mischwesen aus der griechischen Mytologie mit einem männlichen Oberkörper und den Hinterbeinen eines Pferdes, die bekannt waren Wein zu lieben und Frauen zu missbrauchen. Chiron, der mächtigste unter ihnen soll im Pilion seine Höhle gehabt haben.

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Wer Ruhe sucht und Wandern will, immer mit dem Blick aufs Meer, ist hier im Paradies, vor allem zur Nebensaison. Mehr von den Wanderwegen im Pilion und weiteren Abenteuern folgen bald.