Von Farbflüssen und Lichtermeeren über Athen

Die Stadt ist im Farbrausch. Über den Straßen schwimmen Lichterflüsse. Die Hauswände wechseln ihr Gesicht im Minutentakt, mal erröten sie, mal verblassen sie, um dann in aller Farbpracht zu erstrahlen.

city link

Sie scheinen einander übertreffen zu wollen, manche haben sich vollständig in Licht und Farbe gehüllt, manche haben sich sogar als Geschenk verkleidet.

public

Die Rücklichter der im Stau stehenden Autos mischen sich mit dem Rot der Laternen und Lichterketten, die Ampeln sind plötzlich Teil der Symphonie, sowie es auch das Hupen ungeduldiger Autos.

Rotekette

Staebe Lila

staebe grün

Am Syntagmaplatz verflüssigen sich die Farben, ergießen sich ins Wasser, sprudeln und spritzen, ein buntes Farbbad, dass Passanten zu Selfies ermuntert.

fontaene rot

fontaene blau

Der Geruch von gerösteten Kastanien mischt sich mit dem weihnachtlichen Trällern aus den Lautsprechern, Losverkäufer preisen Millionengewinne an, und vor der Metro versucht ein Mensch buntes, in Ballons gefangenes Licht zu verkaufen.

Lichtverkäufer

Die Bewohner und Besucher der Stadt strömen durch leuchtenden Ketten hindurch, wandeln um den gigantischen Baum herum, und werden in die Einkaufsstaßen hinein gesogen.

Bank

An allen drei Sonntagen vor Weihnachten sind in Athen die Geschäfte geöffnet, und so tragen die Menschen Tüten und Taschen die Rolltreppen hinunter, in die vollen Metros hinein, bis vor ihre Haustüren.

syntagma lichtermeer

An manchen Fenstern steht ein schlicht beleuchtetes Schiff – eine alte griechische Tradition, um den Seefahrern an Weihnachten den Weg nach Hause zu leuchten.

schiffAuch bei mir steht ein Schiff am Fenster, in der Hoffnung, dass mein Lieblingsmensch auf dem Weg durch das Lichtergewimmel nicht verirrt.

*****************************

Für alle, die mich noch bei meinem Dokumentarfilm unterstützen wollen, kommt ihr hier zu der Crowdfunding Kampagne und könnt schon einen ersten Trailer sehen. Bis zum 12.01. 2020 ist die Aktion noch aktiv, ich freue mich über jeden kleinen Beitrag.

Vom blauen Papagei auf einer Insel

Im Herzen Athens liegt Metaxourgio, ein Stadtteil, der in sich zerfällt und genau daraus Neues entsteht. Ein Stadtteil, dessen Gegensätze krassen nicht sein könnten: Vom Rotlichtmilieu, Fixer Treffpunkt, zu Chinatown, dazwischen Inseln für Paradiesvögel aus aller Welt und Airbnbsuiten mit Akropolisblick.

Leserin

In den schmalen Straßen des Viertels haben die Häuser offenstehende Türen, über denen nackte Glühbirnen mit rötlichem Licht hängen. Vereinzelte Lichtpfeile, „Welcome Schilder“ oder blinkende Herzen weisen den Weg in die kahlen Flure, in die mein Blick im Vorbeigehen fällt und aus denen mit gesenktem Blick Gestalten ins Freie treten.

astibi

An den Hausecken bildet Urin im schwarzen Dreck Rinnsale, der auf die Gehsteige läuft, so dass die Passanten auf die Straße wechseln. Neoklassische Villen zerfallen vor sich hin, die Fenster mit Brettern verriegelt, davor setzen sich Junkies die Nadel. An manchen Tagen fahren Hilfsorganisationen vor, die anbieten alte gegen neue Nadeln zu tauschen, manchmal hält ein mobiler Waschsalon, in dem Obdachlose ihre Kleidung waschen und trocknen können.

Lagerstätte

Und dann taucht plötzlich, nur eine Abzweigung weiter, wie eine Insel die Platia Avdi auf:

avdi

Papagei

Türkis und gelb bemalte Stühle, Lichterketten in den Bäumen, der Geruch von frisch geröstetem Kaffee. Kellner mit geblümten Schürzen jonglieren Tabletts, auf denen bunte Getränke in hohen Gläsern schaukeln.

Kellnerin

„Blé Papagalos“, der blaue Papagei bildet das Herz der Platia: eine stilvoll eingerichtete Café – Bar, die sich über den Platz erstreckt. In der Zwischenzeit haben sich noch andere Bars und Restaurants auf dem Platz etabliert, sodass eine bunte Ausgehinsel entstanden ist. Im Sommer werden Filme an die Wände projektiert, Kinderwägen geschaukelt und Hunde von der Leine gelassen, im Winter erfreut man sich an Glühwein, obwohl selbst dafür eigentlich zu warm ist.

Platia_Metax

Es schallen Gelächter und Gläserklingen über den großen Platz, Mopeds säumen den Weg, dahinter prangen Grafitos der großen Meister von Athen.

Ino

Metaxourgio ist aber nicht nur Rotlichtmilieu, Fixertreffpunkt und Hipsterparadies: Schaut man sich um, fallen einem schnell die weißen Transporter und Vans auf, die alle vollkommen mit Graffitis überzogen sind und sich tarnen wie Chamäleons durch ihre vollständige Bemalung.

Vans

Sie parken vor unscheinbaren Läden mit chinesischen Schriftzügen, die vielversprechende Namen tragen: „JIN YAN Fashion Trade Company“ „Dazhong Imp Exp Trading & Co“.

Laster

Athens Chinatown liegt hier versteckt, mit chinesischen Bekleidungsgeschäften, die nur an Großhandel verkaufen, dazwischen vereinzelte asiatische Lebensmittelläden, in denen ich manchmal herum stöbere, fasziniert von der kulinarischen Parallelwelt.

An den Wochenenden stehen ganze Container vor den chinesischen Modegeschäften. Mit Sackkarren werden große Pakete aus dem Container ins Ladeninnere verfrachtet, und als ich das Schauspiel fotografierte, wurde ich harsch zurecht gewiesen, dass dies hier nicht erlaubt ist.

Ladung

Ich wende mich weiter in eine Richtung, in der Fotografieren erwünscht ist: Hotels, frisch sanierte Wohnungen und kühne Bauprojekte, die auf die vielversprechende Zukunft des Viertels warten.

Blöcke

zerfall

Metaxourgio ist sicher ein Ort im Wandel, voller Gegensätze und spannenden Orten, die es zu entdecken gilt. Alle Fotografien aus diesem Beitrag wurden in einem Umkreis von 500 m aufgenommen, alle in den Straßen um die Platia Avdi.

*******************************************************

Werbung in eigener Sache:

An alle, die mich unterstützen möchten, einen Dokumentarfilm zu drehen, der die magnetische Anziehungskraft Athens auf Menschen wie mich erforscht, kommt hier zur Crowdfunding Kampagne.

Wer Lust hat bei der Blogparade zum Thema „Wünsche“ mitzumachen, kommt hier zum Aufruf.

Am 27. 12. bin ich in der „Halben Treppe“ in Heidenheim zu einer Bloglesung eingeladen, zu mehr Infos kommt ihr hier.

Magnetisches Athen – Ein Dokumentarfilm sucht den Hype

Ist Berlin das neue Athen?

Seit fast drei Jahren lebe ich nun schon in Athen, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Seit drei Jahren teile ich meine Beobachtungen mit euch und freue mich an euren Kommentaren und eurem wertvollen Feedback.

Ich weite meine Beobachtungen in Athen nun aus, und nehme euch mit! Aus Fotografien sollen bewegte Bilder werden, aus den Texten gesprochene Sprache. Auch andere Menschen werden zu Wort kommen.

Häusermeer

Ich gehe der Frage nach, warum ich mich entschieden habe in dieser Stadt zu leben. Was hat mich wie magnetisch angezogen? Was hält mich aller Vernunft zum Trotz hier?

Was hält all die anderen Menschen hier, die sich in den letzten Jahren trotz der Krise aufgemacht haben, um in Athen zu leben?

Ich plane einen Dokumentarfilm, der sich auf die Suche nach dieser Anziehungskraft begibt, der dem Hype nachspürt, der auf die entgegengesetzte Migrationsbewegung schaut.

Was suchen wir hier? Warum wird Athen das neue Berlin genannt? Was wurde aus der Krise? Wie verändert sich die Stadt?

Aussicht Lyka

Ihr könnt mich unterstützen, wie ihr mich auch schon in den Vergangenheit unterstützt habt, durch eure anerkennenden Kommentare, die mich immer wieder ermutigt haben weiter zu schreiben. Euch ist es letzten Endes auch zu verdanken, dass ich mich nun traue, noch einen Schritt weiter zu gehen.

Ihr könnt mich bei der Idee begleiten, mit aufbauender Zuversicht, Interesse und Anregungen.

Wenn die eine oder der andere möchte, könnt ihr mich auch finanziell unterstützen, damit der Film in guter Qualität in den Kasten kommt.

Ich habe eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, in der ihr mich schon mit 10 Euro unterstützen könnt und dafür ein kleines Dankeschön bekommt.

Hier kommt ihr zu der Kampagne und könnt schon ein erstes Video der Projektidee sehen.

Himmelsweg

Ab dem 10. Dezember bis zum 12. Januar versuche ich 1000 Euro Spenden zu sammeln, wird das Ziel nicht erreicht, bekommt jeder Spender und jede Spenderin den jeweils gespendeten Betrag wieder zurück.

Teilt diesen Aufruf gern mit Freunden und Freundinnen, die Lust haben eine bunte und unabhängige Berichterstattung zu unterstützen.

Der Blog wird natürlich weiterhin bestehen, und ich werde euch ab jetzt auch teilhaben lassen an der Entwicklung für den Dokumentarfilm.

Ich freue mich schon, euch Athen in bewegten Bildern zu zeigen, euch zu neuen Orten in der Stadt zu entführen, und das Athenmosaik mit neuer Form zu füllen.

Blogparade zum Thema „Wünsche“

Weil Wünsche in die Adventszeit passen, und weil mein letzter Beitrag zu den Wünschen der Griechen auf so viel Begeisterung getroffen hat, rufe ich zu meiner ersten Blogparade auf.

Bis 02. Januar 2020 könnt ihr alles über das Wünschen und eure Wünsche schreiben.

Die einen haben bei einer gefundenen Wimper einen Wunsch frei, die anderen schreiben Wunschzettel an den Weihnachtsmann. Gibt es Traditionen des Wünschens, die ihr zelebriert, oder Traditionen, die ihr auf Reisen miterleben durftet?

vr-face

Was wünscht man sich in anderen Kulturen? Gibt es Wünsche auf anderen Sprachen, die wir nicht kennen? Kennt ihr Geschichten von Wünschen, die in Erfüllung gegangen sind? Was wünscht ihr euch im neuen Jahr? Wie geht ihr mit Wünschen um?

Lasst uns teilhaben an euren Wunschgeschichten, vielleicht sind es auch Wunschbilder, Skulpturen, Fragmente, Bruchstücke, in der Form sei eure Fantasie grenzenlos.

vr_zelt

Verlinkt die Blogparade in eurem Artikel und teilt euren Beitrag dann hier unten in den Kommentaren als Link mit. Bis ins neue Jahr, zum 2. Januar 2020 könnt ihr teilnehmen, danach veröffentliche ich all eure Links zusammengefasst in einem Beitrag.

vr_ghost

***Werbung in eigener Sache***

Seit bald drei Jahren schreibe ich über meine Beobachtungen in Athen, nun möchte ich einen Schritt weiter gehen: Ich plane einen autobiografischen Dokumentarfilm über die Anziehungskraft Athens und über Menschen wie mich, die sich aller Vernunft zum Trotz entschieden haben hier zu leben.

Da für den Film noch die Kameratechnik fehlt, könnt ihr mich unterstützen, damit der Film in den Kasten kommt. Hier geht’s zu mehr Infos, Konzept und zum Crowdfunding.

vr_sleep

Die Bilder in diesem Beitrag sind in der Ausstellung der griechischen Künstlerin Grigoria Vryttia in der Kunstgalerie Meme in Athen entstanden.

 

Die Wünsche der Griechen

Wenn am 1. September die Menschen in Griechenland* mit dünnen Blusen und Sandalen an gebräunten Füßen zur Arbeit gehen, wenn die Klimaanlagen surren, wenn sich Touristen mit Sonnenbränden durch die Gassen schieben, wenn Katzen auf warmen Steinen im Schatten ausharren, dann wünschen sie alle „Kalo Chimona“. Das bedeutet „guten Winteranfang“.

NaxosFasade

Wo immer ich in den ersten Septembertagen hin gehe, wird mir freudig der Winteranfang gewünscht. Da mir noch Schweiß den Nacken hinunter rinnt, weiß ich nicht, ob diese Grußformel nicht hoffnungsvolles Wunschdenken ist – „auf dass der Winter bald komme und uns von der Hitze erlöse“. Vielleicht bin ich noch nicht griechisch genug geworden, um mich auf Regen und Kälte zu freuen, die jedoch sicher nicht schon im September kommen.

NaxosStaemme

Wenn ich den Frisörsalon verlasse, wünschen mir die Frisöre „me jasu“. Und wenn ich wenig später meine Freunde treffen, rufen diese „me jasu“. Und wenn ich Tag draufs zur Arbeit erscheine, sagen mir alle „me jasu“. Wenn ich mir ein neues Kleidungsstück kaufe, wünschen mir die Verkäufer „me jasu“. Was bedeuten diese Worte, die mir alle wünschen?

Übersetzt bedeutet es „mit Gesundheit für dich“ und es wird bei neuen Haarschnitten und dem Kauf neuer Dinge gewünscht. Ein Wunsch, den wir uns in der deutschen Sprache nur noch wünschen können.

Gleiches gilt für das Wort „Kalorisiko“ (καλοριζικο), ein Begriff, der sich nicht direkt übersetzen lässt, weil er in unserer Sprache schlicht fehlt. „Kalorisiko“ beglückwünscht zum Kauf von Anschaffungen, es wird dabei schon freudig im Geschäft gewünscht, und danach, wenn alle den neuen Kauf bestaunen.

Naxosfenster

In Griechenland wünscht man sich viel, und weil ich das an dieser Kultur sehr wertschätze, habe ich nun alle Wünsche zusammengetragen, die mir bisher begegnet sind.

NaxosGeländer

Jede Woche beginnt mit einem Wunsch „kali ebdomada“ („Gute Woche“) und so auch jeder Monatsanfang: „kalo mina“. Diese Wunschformeln werden nicht nur von vereinzelten höflichen Menschen benutzt, sondern von fast allen denen man in diesen Tagen begegnet.

Der größte Wunsch in Griechenland scheint mir aber die Gesundheit (υγεία) zu sein. Schon die Begrüßung „Jasu“ oder „Jassas“ (γεια σου/σας!) beinhaltet den Wunsch nach Gesundheit für das Gegenüber. Oft wird der Wunsch nach Gesundheit sogar noch direkter ausgesprochen „Kai igia na exis“ (und Gesundheit sollst du haben).

Naxosbäume

Es gibt auch Wünsche, die vielleicht die eine oder der andere schon Leid ist, wie der Wunsch „Kai sta dika sou“ („und auf die deine“). Ein Wunsch, der von Tanten und Verwandten jungen Unverheirateten gewünscht wird, und auf die Dringlichkeit der Hochzeit verweist. Der Wunsch geht meist einher mit „i ora i kali“ „die Zeit ist günstig“, also bitte ran halten.

KircheAbendlict

Wenn es dann soweit ist, wir dem Brautpaar „Hoch sollt ihr leben“ gewünscht „na sisete“ und poetischer „va siseste san ta psila bouna“ να ζησετε σαν τα ψηλα βουνα (auf das ihr wie die hohen Berge lebt). Natürlich wird hier auch schon einen Schritt weiter gewünscht: „Kai kalous apogonous“ „auf das ihr gute Kinder habt“.

Kirchendach

Und wenn dann nach dem griechischen Masterplan wenig später Nachwuchs unterwegs ist, wird mit Καλη λευτερια, „Kali leuteria“ beglückwünscht. Das bedeutet wörtlich übersetzt „gute Befreiung“, ein Wunsch der ursprünglich aus der Besatzungszeit stammt, aber hier eine neue Verwendung gewonnen hat. Für die Geburt wünscht man dann „me eva pono“ „mit nur einem Schmerz“.

Sind diese Wünsche nun alle in Erfüllung gegangen, wünscht man sich an jedem Geburtstag „alles Gute“, „chronja polla“, wörtlich übersetzt „viele Jahre“ oder noch besser: „Να τα χιλιασεις“ „auf dass du 1000 Jahre alt wirst“

Treppe

So geht der Weg eines griechischen Kindes dann weiter bis in die Schule, hier wird dann „Kali archi“ gewünscht, immer am Anfang eines jeden Schuljahres. Bis endlich der Abschluss bestanden ist, zu dem man dem jungen Menschen dann „kali stadiodroma“ „guten Kurs, guten Lebensweg“ gewünscht. Doch dieser führt bei den Jungen erst einmal zum Militär. Hat man dies auch erfolgreich hinter sich gebracht, wird einem dort „Kalos politis“ gewünscht, „auf dass er ein guter Bürger werde“.

Hier führt einem der Weg in die ersten Liebesabenteuer, zu denen einem die Freunde augenzwinkernd „Kalo boli“ wünschen, wörtlich übersetzt „guten Schuss“ und „kala na perasis“ „auf dass du eine gute Zeit verbringst“.

CineNaxos

So geht es dann durch die Jahreszeiten und Feste, man wünscht sich gute Sommer, und ab September dann wieder gute Winter, das Leben wird durchzogen von Wünschen, die einen begleiten.

Selbst die Wünsche am Ende des Lebens sind das Leben bejahend „Zoi se sas“ (ζωη σε σας) „Leben zu euch“ und „Na sisete na ton thimaste“ „Auf das ihr lange lebt, um euch an den Verstorbenen zu erinnern“.

Und hört man genau hin, was sich die Omas und Opas auf dem Friedhof wünschen, dann hört man sie sagen: „kalo paradiso“, „auf ein gutes Paradies“.

NaxosBlüten

**********************************************************

Die Fotografien sind auf den Kykladen aufgenommen. Texte und weitere Fotografien zu den Inseln findet ihr hier (Naxos) und hier (Andros).

Bloglesung: Am 27. 12. 2019 werde ich in Deutschland (Heidenheim) sein und aus diesem Blog lesen. Ich würde mich unglaublich freuen, den einen oder die andere dabei kennenzulernen. Mehr Infos dazu hier.

*Der Einfachheit halber wird im gesamten Text die männliche Form verwendet; die weibliche Form ist selbstverständlich eingeschlossen.

In einem Himmelsspalt

Ich hatte Heimweh nach Herbst. Nach Tau am Morgen, nach süßlicher Luft, nach frischen Wind, und nach dem Wunsch sich auf ein warmes Zuhause zu freuen, nach einem Tag unter Wolken.

In Athen scheint die Sonne, und da es kein Laub zum buntwerden gibt, beschloss ich dorthin zu fahren, wo sich in Griechenland der Herbst versteckt. Mein Weg führt nach Evritania, in den Schwarzwald Griechenlands.

MikroChorio

Tannen. Tannen. Und Tannen. Berge, deren Gipfel von Wolken gefressen werden.

Statt Laub fallen Steinbrocken von den Berghängen. Die Temperatur ist mindestens zehn Grad kälter als in Athen, die Frische tut gut.

Hütte

Wir fahren durch Dörfer mit Häusern aus Stein, und Äpfeln an den Bäumen. Menschen sehen wir selten. Magere Kühe grasen an der Böschung, Ziegenherden haben sich ganz auf der Straße niedergelassen, der Hund putzt sich in aller Seelenruhe.

Ziegenherde

Kuh

Wir halten an, es erklingt kein Geräusch, außer dem Wind in den Bäumen. Bis auf die Asphaltstraße fehlt oft jedes Anzeichen von Zivilisation. Und die Denkmäler an die Besatzung sind oft die einzigen Stellen, die an das Vorhandensein der Menschheit erinnern.

DenkmalDenkmal an den ersten Kampf zwischen den griechischen Widerstandskämpfern und den Besetzungsmachte Italien, 1942

LurchiEin Feuersalamander kreuzt unseren Weg

Bis irgendwann malerische Dörfer auftauchen, mit Schildern von Ferienhäusern und kleinen Läden mit traditionellen Produkten. Wir haben „Megalo Chorio“ erreicht, ein touristisches Örtchen, das unter der Woche schläft, bis es am Wochenenden von großen Reisebussen aufgeweckt wird.

Megalo Chorio AMegalo chorio

Dann strömen die Menschen aus den hier genannten „Pullmanns“ (Reisebussen) in Scharen aus, schwirren in die Gassen, kaufen in Großpackungen Bergkäse, Bergkräuter und selbstgemachte Nudeln, trinken einen Kaffee auf der Terrasse mit Aussicht und wenn sie Glück haben, ist das Bergpanorama nicht von Wolken verhangen.

Souvenier

Dann schiebt sich der Bus weiter, zur eigentlichen touristischen Attraktion der Region: „Prousso“. Ich frage mich wirklich, wie die Busfahrer das meistern, denn schon für unser Auto wird es oft eng.

Steinbrocken

Die Straßen fallen steil ab, die Berge sind mit Netzen gestützt, und dennoch liegt die Straße voller Geröll, es fahren sogar mehrmals täglich Räumfahrzeuge, um die Steine zur Seite zu schieben. Inmitten dieser unwegsamen Landschaft, an Felsen gepresst, dem Abgrund schwindelerregend nahe, kann nur ein Kloster liegen. Der Glockenturm ragt auf einem einsamen Felsen aus dem Tal hervor, die Griechen sagen, wer bisher nicht an die Mutter Gottes geglaubt hat, tut das spätestens hier.

Klosterturm

Die gläubigen Griechen pilgern zu dem Kloster Proussos um die Ikone der heiligen Maria (Panagia tis Prousiotissas) zu küssen. Diese sei auf wundersame Weise von Kleinasien an diesem Ort erschienen und hat das Kloster zu einem der wichtigsten Pilgerorte in Griechenland gemacht. Touristen aus anderen Ländern verirren sich hier hin nie. vielleicht haben sie selbst einen Herbst zuhause? Oder küssen keine Madonnen?

KlosterkapelleDie Kapelle von Proussos

Hinter dem Ort Proussos führt ein Wanderweg in eine schmale Schlucht. Bäche durchziehen wie Adern die Täler, darüber spannen sich holzbrücken, Moos schmiegt sich an die Erde, und je höher wir kommen, desto felsiger wird es. Gepresste Steine in tausenden Schichten, aus denen wie ein Wunder noch Pflanzen sprießen. Der Himmel über mir nur noch ein Spalt, meine Brust wird eng.

SpaltBlick vom Felsvorsprung aus

Oben angekommen liegt plötzlich und unerwartet eine Höhle,  Eben in diesem Moment von der Sonne beschienen, die durch den Himmelsspalt hervor spickt. In den Felsvorsprung hineingebaut verbirgt sich eine Festung, die während der Besatzung genutzt wurde und deren Inneres in eine Höhle mündet. Nur durch abtrünnige Pfade zu erreichen, in schwindelerregender Höhe, umgeben von dichtem Gestein, mit Blick auf einen Spalt Himmel durch den sie Sonne ihre Strahlen schickt.

HöhleMavri Spilia (Schwarze Höhle)

Ich lasse mich sprachlos nieder.

Die grüne Linie – einmal quer durch Athen

In Athen kennen sie alle, die berühmt-berüchtigte „grüne Linie“ oder „Elektrikos“ genannt, die Straßenbahn, die den Süden Athens mit dem Norden verbindet. Hier ereignen sich tagtäglich Dramen und Komödien, hier finden sich die kuriosesten Gestalten zusammen, Musiker geben in Minikonzerten in Können zum Besten, Bettler leiern ihre Verse, und Fahrräder pressen sich ins letzte Abteil. Ein Blogbeitrag zu Ullis Blogparade „Alltag“.

AthenvonObenHier muss der Verkehr irgendwie durch

Eine kleine Reise quer durch Athen, von Piräus nach Kifisia, vom Meer in die Berge:

Hinter dem Hafen von Piräus warten die Waggons am Bahnsteig, ihre Haut lückenlos überzogen von Graffiti und Farbresten, nur die Fenster sind frei gekratzt, innen setzen sich die Schriftzüge weiter fort.

Piräus-grüne LinieHafen von Piräus

Mit einem kurzen Zischen öffnen sich die Türen, bereit ihre Ladung aufzunehmen. Braungebrannte Touristen, frisch erholt vom Inselurlaub, steigen in die Bahn, Sonnenmilchgeruch liegt in der Luft, Salzränder auf der Haut.

Attiki

Der Zug schiebt sich aus dem lärmenden Hafenort hinaus, durch die ruhigen Nachbarschaft Kallithea, vorbei an Wochenmärkten, an Fahrradwegen entlang. In Petralona steigen erste Bettler ein, jeder hat seinen Spruch, fasst in lauten kurzen Worten sein Leiden zusammen, zeigt geschundene Körperteile oder seinen griechischen Pass. Manche verkaufen Taschentücher oder Stifte mit einem Block.

A-Tunnel

Die Bahn nähert sich dem Zentrum, in Thissio steigen Touristen aus, um zur Akropolis zu schlendern, Straßenverkäufer zwängen sich mit kleinen Wägen ein, auf denen sie ihren Stand zusammengeschnürt transportieren. Es wird langsam richtig voll.

Ausgrabung

Die Bahn durchquert Ausgrabungen, auf denen sich Katzen putzen, fährt durch Tunnels, über denen Hütchenspieler tricksen, bis zum Monastiraki Platz, von dem Hakunamatata Rufe erklingen.

Grünelinie2

In „Monastiraki“ beginnt das wirkliche Gedränge, viele Menschen wollten raus, noch mehr vollen rein. Verschwitzte Hände fassen an Haltestangen, Fahrräder verkeilen sich mit Kinderwägen, die Fenster werden aufgezogen, es riecht dennoch nach Mensch.

GewürzeMarkt zwischen Monastiraki und Omonia, hier fährt der Zug unterirdisch

An der unterirdischen Station „Omonia“ wird das Schauspiel in seiner ganzen Fülle dargestellt: Junkies murmeln mit halb offenen Augen und halten einen leeren Kaffeebecher für Kleingeld ausgestreckt, dazwischen gestikulieren amerikanische Touristen über den Stadtplan, ein Kind plärrt im Baggi, eine Frau verhandelt lautstark am Telefon mit dem Vermieter, daneben knutscht ein Pärchen, ein Opa sucht einen und der Rest wischt und tippt mit Kopfhörern im Ohr an den Handys herum.

UmstiegUmstieg an der Station Attiki

In Viktoria und Agios Nikolaus wird es bunt, Geflüchtete steigen ein und aus, neue Sprachen werden in Handys gerufen, ab Ano Patisia wird es leerer.

Nun kommen die Musiker zum Zug: Gitarristen mit gehäkelten Säckchen am Gitarrenhals schmettern lauthals Schlager, Akkordeonisten spielen Tango, und eine Gypsyband trägt sogar einen Kontrabass mit sich herum.

MoosbodenEirini, Peace and Friendship Stadion

Das Olympiastadion lädt Fahrräder zum Rundendrehen ein, die Waggons werden leerer, und leerer, je weiter sich der Zug in den Norden bewegt. „Epomeni Stasi – next stop“ erklingt aus den Lautsprechern, der Zug ist nun schon seit 24 Stationen unterwegs, wenn es schnell geht, dann sind bis dahin 50 Minuten vergangen. In Kifisia ist die Endstation, hier ist es nun grün und bergig, philippinische Hausangestellte steigen aus, kaufen vielleicht noch was im biologischen Delikatessen Markt, der direkt hinter der Station wartet. Sicherheitsbeamte weisen mich darauf hin, dass das Fotografieren an Stationen nicht gestattet ist.

palmenEirini

Nach einer kurzen Pause fährt der Zug wieder zurück zum Meer.

*****************************

Danke an Ulli, die vor einem Jahr diese schöne Idee der monatlichen Blogparade zum Thema „Alltag“ hatte. Die grüne Linie ist fester Bestandteil meines Alltags hier in Athen geworden.

Eine schöne Ergänzung sind sicherlich Gerdas Berichte über die Kunstwerke an den Metrostationen, wie zum Beispiel in Omonia. Aber auch die Zeichnungen, die Gerda in der Metro angefertigt hat.

Gleise

Eine letzte Sommerbrise aus Naxos

Mit einem kleinen roten Motorroller über die Insel brausen, ohne Karte ins Blaue zu fahren, immer am Meer entlang, oder doch plötzlich ins Landesinnere abzubiegen. Sich auf schmalen Serpentinen nach oben schlängeln, sich in die Berge hinein zu schrauben, mit dröhnendem Motor. Plötzlich feststellen, dass die Benzinanzeige gar nicht funktioniert und man schon ewig keine Tankstelle mehr gesehen hat.

Naxos_view2

Fahren mit knatterndem Motor, bis einem der Hinter weh tut, aber dennoch kein Dorf in Aussicht ist. Um dann plötzlich unerwartet eine Ansammlung strahlend weisser Häuser zu sehen, alle an einem Berghang schmiegend.

Naxos_Dorf

Unser Knattern zerreißt die mittägliche Ruhe, und beim Abstellen des Motors breitet sich die Stille in ganzer Fülle vor uns aus. Gassen mit weiß bemalten Stufen führen scheinbar planlos durch den Ort, und wir folgen ihnen ohne Ziel, voller Staunen über die Verwunschenheit der abgelegenen Dörfer.

Naxos_blumenreihe

Blumenkübel säumen die Wege, Farbtupfer im hellen Weiß. Hinter einer Windung öffnet sich plötzlich der Dorfplatz, in einem Café sitzen die Menschen zusammen, auf hölzernen Stühlen unter dem Schatten alter Platanen, Katzen liegen faul auf Bänken und eine Bank lädt zur Atempause ein.

Naxos_Pause

Naxos_Katze

Wir trinken durstig das kalte Wasser und den Cappuccino mit Eis, bevor es wieder zu unserem treuen Gefährt zurück geht. Weiter auf einsamen Straßen, Schilder gibt es kaum, wir lassen uns überraschen. Als Belohnung erhalten wir atemberaubende Aussichten, Berghänge über die der Wind pfeift, Olivenhaine, die sich in einer großen Ebene vor uns ausbreiten.

Naxos_view1

Die Nordküste liegt einsam und wild, der Wind bricht die Wellen und schleift an den Felsen. Unerwartet liegt dort ein Strand voll bunter Schirme, Tavernen und Cafés in denen die Männer Tavli (Backgammon) spielen.

Naxos_bunterStrandStrand von Appolonas

Die Wellen brechen sich an den Steinen, welche die Bucht schützen. Wir setzen uns in eines der Cafés und essen Loukoumas mit Vanilleeis (in Fett gebackene Hefeteigbällchen), weil alle anderen um uns herum das gleiche tun.

Naxos_appolonasApollonas

Wir schwingen uns wieder auf die Knattermühle, fahren weiter, nun Richtung Süden, halten am Straßenrand um Feigen zu pflücken, lassen Ziegenherden über die Straße ziehen, grüßen den Hirten. Fahren vorbei an venezianischen Türmen, die verlassen in der Pampa stehen und darauf warten, fotografiert zu werden.

Naxos_turm

Im Westen der Insel liegen mehr Dörfer, Töpferware wird am Wegrand angeboten, Fleischstücke hängen im offenen Grill, hier sehen wir auch andere Touristen durch die bunten Gassen streunen und hausgemachte Limonade aus langen Gläsern trinken.

Nach einem langen Tag, erreichen wir wieder den Hafenort, verabschieden und schweren Herzens von unserem treuen, knatterndem Weggefährten und sehen zu, wie die Sonne hinter dem berühmten Steintor ins Meer fällt.

NaxosTor

********************************************

Naxos mit dem Motorroller zu erkunden macht Sinn und Freude, weil die Insel sehr weitläufig ist, und landschaftlich vielfältig. Die Westküste ist touristisch belebt, und wegen der langen Sandstrände beliebt. Der Norden hingegen ist selbst in der Hauptsaison verlassen und windig frisch. Der Hafenort Naxos-Stadt ist im Sommer sehr voll, schmale Gassen führen hinauf zum Kastro, gesäumt von Souvenirhändlern, Tavernen und Cafés. Es gibt viele Orte direkt am Hafen, um einen Roller zu leihen, auch ohne Motorradführerschein gibt es kleine Kisten, die es bis über die Berge schaffen.

Naxos_Blauetreppe

In Wehmut an den Sommer, nun wieder in Athen…

Wenn die Unsichtbaren sichtbar werden

Wenn sich die Straßen Athens in der Hitze leeren, werden die Unsichtbaren sichtbar. Sie treten hervor, aus der nun verschwunden Masse. Ihre Blicke sind zu Boden gerichtet, als gehöre ihnen der Anblick darüber nicht, als gehöre ihnen die Luft darüber nicht. Ihre dunkle Kleidung ist Teil ihrer Körpers geworden. Zurückgelassene des Sommers.

Unsichtbar1

Jetzt, da alle mit Geld oder Glück ans Meer gefahren sind, bleiben nur die übrig, die weder Geld noch Glück haben.

Unsichtbar4

In den leeren Straßen, kommen ihre Lagerstätten zum Vorschein. Ihre wenigen Habseligkeiten gebündelt, in einer Gassenecke ein Zuhause improvisiert. Ein mit unerwarteter Sorgfalt geordnete Betten auf Karton, darüber gefaltet zerschlissenen Decken. Schuhe ordentlich am Fußende angeordnet, daneben Bücher und Flaschen mit Wasser.

Unsichtbar9

Rücken an Hauswände gelehnt, Schweiß perlt, nackte Waden auf den Asphalt gestreckt, ein Pappbecher mit einzelnen Münzen an berühren Fußspitzen.

Unsichtbar6

An Platias mit stolzen Namen tummeln sich die Übriggebliebenen: Bei Viktoria sitzen Menschen auf roten Bänken, Hände in den Schoß gelegt, eingehüllt in ein Sprachgewirr aus Arabisch, Farsi, Urdu, Griechisch, Englisch. Kinder sausen auf alten Rollern darum herum, Sonnenblumenkerne fallen zu Boden, Schatten fallen darüber, in die sich die Menschen dankbar legen.

unsichtbar8

Im Schutz belebter Straßen wird Nachts wird die Kühle genossen, Decken werden ausgerollt, verlassene Hauseingänge werden zum neuen Zuhause, vor dem Einschlafen wird im Laternenlicht noch Zeitung gelesen.

Unsichtbar7

Metallsammler mit ihren Familien bereiten sich auf Pick-up Ladeflächen auf die Nachtruhe vor. Auf dem Wäscheständer davor trocknen Kindersachen neben BHs und Unterhosen. An der Rückwand der Fahrerkabine hängt ein ausgeschalteter Flachbildschirm.

Unsichtbar5

Ein Papiersammler lehnt an seinen eisernen Wagen voll gesammelter Kartons, streckt die angeschwollenen Beine von sich, nimmt einen großen Schluck Wasser und schließt die Augen.

Eine andere Frau mit kurzen grauen Haaren legt sich wie jede Nacht auf die Bank an der Bushaltestelle. Als Kissen dient die Tasche mit den Habseligkeiten, der Rollkoffer steht am Kopfende.

Unsichtbar2

Seit ich hier lebe sehe ich die Frau mit den kurzen grauen Haaren an diesem Ort, immer mit der Nacht auftauchend, immer mit der Morgensonne verschwindend. In diesen Tagen schläft sie in einem weißen Unterhemd und einer kurzen Hose, eine Decke braucht man selbst draußen nicht.

Unsichtbar3

*************************

Auch wenn die Unsichtbaren sich im öffentlichen Raum bewegen, habe ich mich entschieden die Privatsphäre der Menschen zu respektieren. Die Fotografien sind in meinem Stadtviertel aufgenommen und digital bearbeitet.

Der Artikel macht mit bei der Blogparade von Lydia zum Thema Respekt:
https://lydiaswelt.com/2019/08/27/aufruf-zur-blogparade-zum-thema-respekt/

Goldflüsse auf dem Hügel der Musen

Ist es das Wissen darum, dass diese Strahlen die Letzten des Tages sind, bevor die Sonne verschwindet? Ist es dieses Wissen, ob ihrer Endlichkeit? Was zieht uns am Abendlicht in Bann? Was ist es, dass mich beim Anblick der Abendsonne einen Spur Traurigkeit fühlen lässt? Tagelang liegt Athen in der Hitze und ich steige auf einen Berg, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, als hätte ich noch nicht genug.

Lichtspiele4

Sind es die Strahlen, die nun nicht mehr heiß brennen, sondern für kurze Zeit rote, flache und warme Schatten werfen?

Lichtspiel3

Auf den Wegen ist rotes Gold verschüttet, auf das ich vorsichtig meine Schritte setze, irgendwie verwundert, dass nichts an meinen Sohlen haften bleibt.

Lichtporträt

Und hier sehe ich mich plötzlich selbst im Flammenschatten oder im Goldfluss.

Lichtspiele 7

In den allerletzten Zügen scheint die Sonne noch einmal ihre volle Farbkraft hervorzuholen, wie zum Beweis, dass es noch nicht vorbei ist. Sie taucht alles in Feuer. Die trockenen Gräser scheinen in Brand gesteckt zu sein, auf den Stämmen flackern Flammen, die Nadeln beginnen schon fast zu knistern. Das letzte Licht lodert noch einmal auf.

lichtspiele8All Abendlich steht der Filopappou Hügel in Sonnenflammen, Menschen ziehen es auf seinen Gipfel, um die Sonne hinter Athen untergehen zu sehen. Die alten Griechen glaubten, dass auf diesem Hügel die neun Musen lebten. Ich kann sie in ihrem Glauben gut verstehen.

Lichtspiel1

Fotografieren heißt schreiben mit Licht. Daran denke ich immer dann, wenn ich mit meiner Kamera losziehe um Bilder einzufangen. Fotografie, ein Wort, das aus dem Griechischen kommt: φῶς heißt Licht, (φωτός im Genitiv), gesprochen wird es Photos und γράφω, grafo bedeutet schreiben und zeichnen.

Lichtspiel67

Nach dem Sonnenuntergang wartet die Sternwarte auf dem Hügel auf den Nachthimmel.