In einem Himmelsspalt

Ich hatte Heimweh nach Herbst. Nach Tau am Morgen, nach süßlicher Luft, nach frischen Wind, und nach dem Wunsch sich auf ein warmes Zuhause zu freuen, nach einem Tag unter Wolken.

In Athen scheint die Sonne, und da es kein Laub zum buntwerden gibt, beschloss ich dorthin zu fahren, wo sich in Griechenland der Herbst versteckt. Mein Weg führt nach Evritania, in den Schwarzwald Griechenlands.

MikroChorio

Tannen. Tannen. Und Tannen. Berge, deren Gipfel von Wolken gefressen werden.

Statt Laub fallen Steinbrocken von den Berghängen. Die Temperatur ist mindestens zehn Grad kälter als in Athen, die Frische tut gut.

Hütte

Wir fahren durch Dörfer mit Häusern aus Stein, und Äpfeln an den Bäumen. Menschen sehen wir selten. Magere Kühe grasen an der Böschung, Ziegenherden haben sich ganz auf der Straße niedergelassen, der Hund putzt sich in aller Seelenruhe.

Ziegenherde

Kuh

Wir halten an, es erklingt kein Geräusch, außer dem Wind in den Bäumen. Bis auf die Asphaltstraße fehlt oft jedes Anzeichen von Zivilisation. Und die Denkmäler an die Besatzung sind oft die einzigen Stellen, die an das Vorhandensein der Menschheit erinnern.

DenkmalDenkmal an den ersten Kampf zwischen den griechischen Widerstandskämpfern und den Besetzungsmachte Italien, 1942

LurchiEin Feuersalamander kreuzt unseren Weg

Bis irgendwann malerische Dörfer auftauchen, mit Schildern von Ferienhäusern und kleinen Läden mit traditionellen Produkten. Wir haben „Megalo Chorio“ erreicht, ein touristisches Örtchen, das unter der Woche schläft, bis es am Wochenenden von großen Reisebussen aufgeweckt wird.

Megalo Chorio AMegalo chorio

Dann strömen die Menschen aus den hier genannten „Pullmanns“ (Reisebussen) in Scharen aus, schwirren in die Gassen, kaufen in Großpackungen Bergkäse, Bergkräuter und selbstgemachte Nudeln, trinken einen Kaffee auf der Terrasse mit Aussicht und wenn sie Glück haben, ist das Bergpanorama nicht von Wolken verhangen.

Souvenier

Dann schiebt sich der Bus weiter, zur eigentlichen touristischen Attraktion der Region: „Prousso“. Ich frage mich wirklich, wie die Busfahrer das meistern, denn schon für unser Auto wird es oft eng.

Steinbrocken

Die Straßen fallen steil ab, die Berge sind mit Netzen gestützt, und dennoch liegt die Straße voller Geröll, es fahren sogar mehrmals täglich Räumfahrzeuge, um die Steine zur Seite zu schieben. Inmitten dieser unwegsamen Landschaft, an Felsen gepresst, dem Abgrund schwindelerregend nahe, kann nur ein Kloster liegen. Der Glockenturm ragt auf einem einsamen Felsen aus dem Tal hervor, die Griechen sagen, wer bisher nicht an die Mutter Gottes geglaubt hat, tut das spätestens hier.

Klosterturm

Die gläubigen Griechen pilgern zu dem Kloster Proussos um die Ikone der heiligen Maria (Panagia tis Prousiotissas) zu küssen. Diese sei auf wundersame Weise von Kleinasien an diesem Ort erschienen und hat das Kloster zu einem der wichtigsten Pilgerorte in Griechenland gemacht. Touristen aus anderen Ländern verirren sich hier hin nie. vielleicht haben sie selbst einen Herbst zuhause? Oder küssen keine Madonnen?

KlosterkapelleDie Kapelle von Proussos

Hinter dem Ort Proussos führt ein Wanderweg in eine schmale Schlucht. Bäche durchziehen wie Adern die Täler, darüber spannen sich holzbrücken, Moos schmiegt sich an die Erde, und je höher wir kommen, desto felsiger wird es. Gepresste Steine in tausenden Schichten, aus denen wie ein Wunder noch Pflanzen sprießen. Der Himmel über mir nur noch ein Spalt, meine Brust wird eng.

SpaltBlick vom Felsvorsprung aus

Oben angekommen liegt plötzlich und unerwartet eine Höhle,  Eben in diesem Moment von der Sonne beschienen, die durch den Himmelsspalt hervor spickt. In den Felsvorsprung hineingebaut verbirgt sich eine Festung, die während der Besatzung genutzt wurde und deren Inneres in eine Höhle mündet. Nur durch abtrünnige Pfade zu erreichen, in schwindelerregender Höhe, umgeben von dichtem Gestein, mit Blick auf einen Spalt Himmel durch den sie Sonne ihre Strahlen schickt.

HöhleMavri Spilia (Schwarze Höhle)

Ich lasse mich sprachlos nieder.

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Die grüne Linie – einmal quer durch Athen

In Athen kennen sie alle, die berühmt-berüchtigte „grüne Linie“ oder „Elektrikos“ genannt, die Straßenbahn, die den Süden Athens mit dem Norden verbindet. Hier ereignen sich tagtäglich Dramen und Komödien, hier finden sich die kuriosesten Gestalten zusammen, Musiker geben in Minikonzerten in Können zum Besten, Bettler leiern ihre Verse, und Fahrräder pressen sich ins letzte Abteil. Ein Blogbeitrag zu Ullis Blogparade „Alltag“.

AthenvonObenHier muss der Verkehr irgendwie durch

Eine kleine Reise quer durch Athen, von Piräus nach Kifisia, vom Meer in die Berge:

Hinter dem Hafen von Piräus warten die Waggons am Bahnsteig, ihre Haut lückenlos überzogen von Graffiti und Farbresten, nur die Fenster sind frei gekratzt, innen setzen sich die Schriftzüge weiter fort.

Piräus-grüne LinieHafen von Piräus

Mit einem kurzen Zischen öffnen sich die Türen, bereit ihre Ladung aufzunehmen. Braungebrannte Touristen, frisch erholt vom Inselurlaub, steigen in die Bahn, Sonnenmilchgeruch liegt in der Luft, Salzränder auf der Haut.

Attiki

Der Zug schiebt sich aus dem lärmenden Hafenort hinaus, durch die ruhigen Nachbarschaft Kallithea, vorbei an Wochenmärkten, an Fahrradwegen entlang. In Petralona steigen erste Bettler ein, jeder hat seinen Spruch, fasst in lauten kurzen Worten sein Leiden zusammen, zeigt geschundene Körperteile oder seinen griechischen Pass. Manche verkaufen Taschentücher oder Stifte mit einem Block.

A-Tunnel

Die Bahn nähert sich dem Zentrum, in Thissio steigen Touristen aus, um zur Akropolis zu schlendern, Straßenverkäufer zwängen sich mit kleinen Wägen ein, auf denen sie ihren Stand zusammengeschnürt transportieren. Es wird langsam richtig voll.

Ausgrabung

Die Bahn durchquert Ausgrabungen, auf denen sich Katzen putzen, fährt durch Tunnels, über denen Hütchenspieler tricksen, bis zum Monastiraki Platz, von dem Hakunamatata Rufe erklingen.

Grünelinie2

In „Monastiraki“ beginnt das wirkliche Gedränge, viele Menschen wollten raus, noch mehr vollen rein. Verschwitzte Hände fassen an Haltestangen, Fahrräder verkeilen sich mit Kinderwägen, die Fenster werden aufgezogen, es riecht dennoch nach Mensch.

GewürzeMarkt zwischen Monastiraki und Omonia, hier fährt der Zug unterirdisch

An der unterirdischen Station „Omonia“ wird das Schauspiel in seiner ganzen Fülle dargestellt: Junkies murmeln mit halb offenen Augen und halten einen leeren Kaffeebecher für Kleingeld ausgestreckt, dazwischen gestikulieren amerikanische Touristen über den Stadtplan, ein Kind plärrt im Baggi, eine Frau verhandelt lautstark am Telefon mit dem Vermieter, daneben knutscht ein Pärchen, ein Opa sucht einen und der Rest wischt und tippt mit Kopfhörern im Ohr an den Handys herum.

UmstiegUmstieg an der Station Attiki

In Viktoria und Agios Nikolaus wird es bunt, Geflüchtete steigen ein und aus, neue Sprachen werden in Handys gerufen, ab Ano Patisia wird es leerer.

Nun kommen die Musiker zum Zug: Gitarristen mit gehäkelten Säckchen am Gitarrenhals schmettern lauthals Schlager, Akkordeonisten spielen Tango, und eine Gypsyband trägt sogar einen Kontrabass mit sich herum.

MoosbodenEirini, Peace and Friendship Stadion

Das Olympiastadion lädt Fahrräder zum Rundendrehen ein, die Waggons werden leerer, und leerer, je weiter sich der Zug in den Norden bewegt. „Epomeni Stasi – next stop“ erklingt aus den Lautsprechern, der Zug ist nun schon seit 24 Stationen unterwegs, wenn es schnell geht, dann sind bis dahin 50 Minuten vergangen. In Kifisia ist die Endstation, hier ist es nun grün und bergig, philippinische Hausangestellte steigen aus, kaufen vielleicht noch was im biologischen Delikatessen Markt, der direkt hinter der Station wartet. Sicherheitsbeamte weisen mich darauf hin, dass das Fotografieren an Stationen nicht gestattet ist.

palmenEirini

Nach einer kurzen Pause fährt der Zug wieder zurück zum Meer.

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Danke an Ulli, die vor einem Jahr diese schöne Idee der monatlichen Blogparade zum Thema „Alltag“ hatte. Die grüne Linie ist fester Bestandteil meines Alltags hier in Athen geworden.

Eine schöne Ergänzung sind sicherlich Gerdas Berichte über die Kunstwerke an den Metrostationen, wie zum Beispiel in Omonia. Aber auch die Zeichnungen, die Gerda in der Metro angefertigt hat.

Gleise

Eine letzte Sommerbrise aus Naxos

Mit einem kleinen roten Motorroller über die Insel brausen, ohne Karte ins Blaue zu fahren, immer am Meer entlang, oder doch plötzlich ins Landesinnere abzubiegen. Sich auf schmalen Serpentinen nach oben schlängeln, sich in die Berge hinein zu schrauben, mit dröhnendem Motor. Plötzlich feststellen, dass die Benzinanzeige gar nicht funktioniert und man schon ewig keine Tankstelle mehr gesehen hat.

Naxos_view2

Fahren mit knatterndem Motor, bis einem der Hinter weh tut, aber dennoch kein Dorf in Aussicht ist. Um dann plötzlich unerwartet eine Ansammlung strahlend weisser Häuser zu sehen, alle an einem Berghang schmiegend.

Naxos_Dorf

Unser Knattern zerreißt die mittägliche Ruhe, und beim Abstellen des Motors breitet sich die Stille in ganzer Fülle vor uns aus. Gassen mit weiß bemalten Stufen führen scheinbar planlos durch den Ort, und wir folgen ihnen ohne Ziel, voller Staunen über die Verwunschenheit der abgelegenen Dörfer.

Naxos_blumenreihe

Blumenkübel säumen die Wege, Farbtupfer im hellen Weiß. Hinter einer Windung öffnet sich plötzlich der Dorfplatz, in einem Café sitzen die Menschen zusammen, auf hölzernen Stühlen unter dem Schatten alter Platanen, Katzen liegen faul auf Bänken und eine Bank lädt zur Atempause ein.

Naxos_Pause

Naxos_Katze

Wir trinken durstig das kalte Wasser und den Cappuccino mit Eis, bevor es wieder zu unserem treuen Gefährt zurück geht. Weiter auf einsamen Straßen, Schilder gibt es kaum, wir lassen uns überraschen. Als Belohnung erhalten wir atemberaubende Aussichten, Berghänge über die der Wind pfeift, Olivenhaine, die sich in einer großen Ebene vor uns ausbreiten.

Naxos_view1

Die Nordküste liegt einsam und wild, der Wind bricht die Wellen und schleift an den Felsen. Unerwartet liegt dort ein Strand voll bunter Schirme, Tavernen und Cafés in denen die Männer Tavli (Backgammon) spielen.

Naxos_bunterStrandStrand von Appolonas

Die Wellen brechen sich an den Steinen, welche die Bucht schützen. Wir setzen uns in eines der Cafés und essen Loukoumas mit Vanilleeis (in Fett gebackene Hefeteigbällchen), weil alle anderen um uns herum das gleiche tun.

Naxos_appolonasApollonas

Wir schwingen uns wieder auf die Knattermühle, fahren weiter, nun Richtung Süden, halten am Straßenrand um Feigen zu pflücken, lassen Ziegenherden über die Straße ziehen, grüßen den Hirten. Fahren vorbei an venezianischen Türmen, die verlassen in der Pampa stehen und darauf warten, fotografiert zu werden.

Naxos_turm

Im Westen der Insel liegen mehr Dörfer, Töpferware wird am Wegrand angeboten, Fleischstücke hängen im offenen Grill, hier sehen wir auch andere Touristen durch die bunten Gassen streunen und hausgemachte Limonade aus langen Gläsern trinken.

Nach einem langen Tag, erreichen wir wieder den Hafenort, verabschieden und schweren Herzens von unserem treuen, knatterndem Weggefährten und sehen zu, wie die Sonne hinter dem berühmten Steintor ins Meer fällt.

NaxosTor

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Naxos mit dem Motorroller zu erkunden macht Sinn und Freude, weil die Insel sehr weitläufig ist, und landschaftlich vielfältig. Die Westküste ist touristisch belebt, und wegen der langen Sandstrände beliebt. Der Norden hingegen ist selbst in der Hauptsaison verlassen und windig frisch. Der Hafenort Naxos-Stadt ist im Sommer sehr voll, schmale Gassen führen hinauf zum Kastro, gesäumt von Souvenirhändlern, Tavernen und Cafés. Es gibt viele Orte direkt am Hafen, um einen Roller zu leihen, auch ohne Motorradführerschein gibt es kleine Kisten, die es bis über die Berge schaffen.

Naxos_Blauetreppe

In Wehmut an den Sommer, nun wieder in Athen…

Wenn die Unsichtbaren sichtbar werden

Wenn sich die Straßen Athens in der Hitze leeren, werden die Unsichtbaren sichtbar. Sie treten hervor, aus der nun verschwunden Masse. Ihre Blicke sind zu Boden gerichtet, als gehöre ihnen der Anblick darüber nicht, als gehöre ihnen die Luft darüber nicht. Ihre dunkle Kleidung ist Teil ihrer Körpers geworden. Zurückgelassene des Sommers.

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Jetzt, da alle mit Geld oder Glück ans Meer gefahren sind, bleiben nur die übrig, die weder Geld noch Glück haben.

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In den leeren Straßen, kommen ihre Lagerstätten zum Vorschein. Ihre wenigen Habseligkeiten gebündelt, in einer Gassenecke ein Zuhause improvisiert. Ein mit unerwarteter Sorgfalt geordnete Betten auf Karton, darüber gefaltet zerschlissenen Decken. Schuhe ordentlich am Fußende angeordnet, daneben Bücher und Flaschen mit Wasser.

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Rücken an Hauswände gelehnt, Schweiß perlt, nackte Waden auf den Asphalt gestreckt, ein Pappbecher mit einzelnen Münzen an berühren Fußspitzen.

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An Platias mit stolzen Namen tummeln sich die Übriggebliebenen: Bei Viktoria sitzen Menschen auf roten Bänken, Hände in den Schoß gelegt, eingehüllt in ein Sprachgewirr aus Arabisch, Farsi, Urdu, Griechisch, Englisch. Kinder sausen auf alten Rollern darum herum, Sonnenblumenkerne fallen zu Boden, Schatten fallen darüber, in die sich die Menschen dankbar legen.

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Im Schutz belebter Straßen wird Nachts wird die Kühle genossen, Decken werden ausgerollt, verlassene Hauseingänge werden zum neuen Zuhause, vor dem Einschlafen wird im Laternenlicht noch Zeitung gelesen.

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Metallsammler mit ihren Familien bereiten sich auf Pick-up Ladeflächen auf die Nachtruhe vor. Auf dem Wäscheständer davor trocknen Kindersachen neben BHs und Unterhosen. An der Rückwand der Fahrerkabine hängt ein ausgeschalteter Flachbildschirm.

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Ein Papiersammler lehnt an seinen eisernen Wagen voll gesammelter Kartons, streckt die angeschwollenen Beine von sich, nimmt einen großen Schluck Wasser und schließt die Augen.

Eine andere Frau mit kurzen grauen Haaren legt sich wie jede Nacht auf die Bank an der Bushaltestelle. Als Kissen dient die Tasche mit den Habseligkeiten, der Rollkoffer steht am Kopfende.

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Seit ich hier lebe sehe ich die Frau mit den kurzen grauen Haaren an diesem Ort, immer mit der Nacht auftauchend, immer mit der Morgensonne verschwindend. In diesen Tagen schläft sie in einem weißen Unterhemd und einer kurzen Hose, eine Decke braucht man selbst draußen nicht.

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Auch wenn die Unsichtbaren sich im öffentlichen Raum bewegen, habe ich mich entschieden die Privatsphäre der Menschen zu respektieren. Die Fotografien sind in meinem Stadtviertel aufgenommen und digital bearbeitet.

Der Artikel macht mit bei der Blogparade von Lydia zum Thema Respekt:
https://lydiaswelt.com/2019/08/27/aufruf-zur-blogparade-zum-thema-respekt/

Goldflüsse auf dem Hügel der Musen

Ist es das Wissen darum, dass diese Strahlen die Letzten des Tages sind, bevor die Sonne verschwindet? Ist es dieses Wissen, ob ihrer Endlichkeit? Was zieht uns am Abendlicht in Bann? Was ist es, dass mich beim Anblick der Abendsonne einen Spur Traurigkeit fühlen lässt? Tagelang liegt Athen in der Hitze und ich steige auf einen Berg, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, als hätte ich noch nicht genug.

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Sind es die Strahlen, die nun nicht mehr heiß brennen, sondern für kurze Zeit rote, flache und warme Schatten werfen?

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Auf den Wegen ist rotes Gold verschüttet, auf das ich vorsichtig meine Schritte setze, irgendwie verwundert, dass nichts an meinen Sohlen haften bleibt.

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Und hier sehe ich mich plötzlich selbst im Flammenschatten oder im Goldfluss.

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In den allerletzten Zügen scheint die Sonne noch einmal ihre volle Farbkraft hervorzuholen, wie zum Beweis, dass es noch nicht vorbei ist. Sie taucht alles in Feuer. Die trockenen Gräser scheinen in Brand gesteckt zu sein, auf den Stämmen flackern Flammen, die Nadeln beginnen schon fast zu knistern. Das letzte Licht lodert noch einmal auf.

lichtspiele8All Abendlich steht der Filopappou Hügel in Sonnenflammen, Menschen ziehen es auf seinen Gipfel, um die Sonne hinter Athen untergehen zu sehen. Die alten Griechen glaubten, dass auf diesem Hügel die neun Musen lebten. Ich kann sie in ihrem Glauben gut verstehen.

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Fotografieren heißt schreiben mit Licht. Daran denke ich immer dann, wenn ich mit meiner Kamera losziehe um Bilder einzufangen. Fotografie, ein Wort, das aus dem Griechischen kommt: φῶς heißt Licht, (φωτός im Genitiv), gesprochen wird es Photos und γράφω, grafo bedeutet schreiben und zeichnen.

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Nach dem Sonnenuntergang wartet die Sternwarte auf dem Hügel auf den Nachthimmel.

Agistri mit Freddo

Wer die folgenden Zeilen ließt, sollte sich vorsichtshalber gleich einen Eiskaffee bereitstellen und wenn möglich die Zehen in Sand stecken, es kann notfalls auch eine Sandkiste sein.

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Für Fernweh und sofortige Reiselust übernehme ich keine Verantwortung.

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In den frühen Morgenstunden, wenn die Strände noch leer sind und die Insel der Sonne noch verschlafen entgegen blinzelt.

Wenn der Sand noch kühl ist, und sich meine Zehen darin vergraben möchten. Wenn die streunenden Katzen sind noch ungefrühstückt sind und den Hunden beim Gassigehen zusehen.

Dann kommt die erste Fähre an.

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Die morgendliche Fähre spuckt neue Athener aus, die wie ich ihre Zehen in den kühlen Sand stecken möchten.

Sich unter Pinien legen, einmal ganz das Häusermeer vergessen, und den Himmel bestaunen, der hier so anders ist.

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Sie kommen mit bunten Strandtaschen und Badelatschen, den Bikini schon gleich angezogen, eingehüllt in den Geruch von Sonnenmilch. Sie schwirren aus, holen sich den zweiten* kalten Cappuccino (Freddo) auf Eis zum mitnehmen, schleichen auf Pfaden zu versteckten Stränden im Pinienwald, bauen sich Lager, Sonnensegel und breiten Decken aus. Essen frische Kirschen, die sie noch schnell am Hafen gekauft haben, stecken den Freddo Cappuccino in den Sand, strecken die Beine in die Sonne und warten, bis sie braun werden.

*den ersten Freddo trinkt man bereits an Deck

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Irgendwann, wenn die Kirschen als Kerne im Sand liegen, und die Reste der Sesamkringel als Krümel daneben, wenn der Magen knurrt und die Sonne zu heiß wird, dann schleichen sie sich wieder ins Dorf zurück.

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Bei Tasos in der Taverne sind noch Tische im Schatten frei, er spannt ein Papiertuch darüber und stellt kaltes Wasser dazu. Wer wenig Geld hat, isst „Souvlaki ap ola“ (mit allem), wer verliebt ist, sagt „choris kremidi“ (ohne Zwiebel). Zum Nachtisch gibt es Melone in Stücke, ein Geschenk des Hauses. Der Kaffee danach darf nicht fehlen und jetzt schnell zurück zum Strand, um im Schatten den Bauch in Ruhe verdauen zu lassen.

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Die Zeit bis zur letzten Fähre vergeht zu schnell, noch ein letztes Bad, noch einmal in der Sonne trocknen um dann mit Salzresten auf der Haut, auf Badelatschen durch den Pinienwald zu rennen, durchs Dorf, Tasos zum Abschied zu winken, gerade noch die Fähre zu erwischen.

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Sie strömen an Deck, lehnen übers Geländer, sehen zu wie die Insel immer kleiner am Horizont verschwindet und dann Athen als Lichtermeer am anderen Horizont erscheint.

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Die Insel Agistri ist vor allem bei Studierenden aus Athen beliebt, weil man so einfach am Wochenende schnell hin fahren kann. Manche übernachten eine Nacht und legen sich an einen der abgelegenen Strände, manche schlagen kurz ein Zelt auf, und manche schlagen sich so den ganzen Sommer über durch. Wer die Insel erkunden möchte, leiht sich ein Fahrrad, oder nimmt den Bus, der zu anderen Stränden fährt. Außer den Hafenörtchen gibt es Pinienwald, Strände und einen Himmel, der sich darüber spannt und einen vergessen lässt, dass Athen nur zwei Stunden entfernt liegt.

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****** Tipps für Reiselustige ********

Agistri ist mehrmals täglich aus Athen per Fähre zu erreichen. Da die schönsten Strände kaum Schatten haben, empfiehlt es sich einen Sonnenschirm mitzunehmen, oder an einen der Strände am Hafenörtchen zu gehen. Per Bus kann man auch den Strand Aponisos erreichen, hier gibt es einen Bereich mit Sonnenschirmen und eine kleine Taverne.

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Wer hat diese Wolken getanzt?

Unter dem Himmel spannt sich ein Meer, dessen Wellen so glatt sind, dass ich fürchte unser Boot zerschneide ein feines Tuch. Der Himmel wölbt sich und hat für uns Gemälde gemalt. Sie spiegeln sich auf der glatten See wider. Wolken wie getanzt, wie aus einer Feder gezogen, wie gehaucht. Die Inseln liegen bedächtig staunend darunter, schlafend und türkis träumend.

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Ich versinke, mein Blick taucht ins farbige Wasser, weiße Gischt schäumt neben unserem Boot bis eine Möwe mich aus meiner Versunkenheit weckt. Das Wasser unter ihr wird zum Himmel, vor dem sie gleitet, begleitet vom Wellenspiel, bis mir schwindelt.

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Wir legen an. Auf der Insel scheint es nur den Himmel zu geben, und ringsherum das Meer. So weit ich auch gehe, ich sehe um die nächste Bucht nur wieder Meer, in alle Farben getaucht.

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Ich laufe zum Sonnenuntergang, der nur um eine Biegung weiter passiert. Schneller als ich es mir wünsche, fällt die Sonne ins Meer und hinterlässt ihre goldenen Schlieren als letzten Gruß. Dachte ich. Aber die Malerei des Himmels ist damit noch nicht zu ende.

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Jetzt werden Pasteltöne aufgezogen, sanftes Violett aus den Bergen hervorgezogen.

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Ich verneige mich. Erst als das letzte Bunt zu sehen ist, zünden die Menschen ihre Lichter an. Und wieder ist es das Meer, das diese Lichter widerspiegeln darf. Ich werde nicht müde zu sehen.

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Die Wolkenmalereien habe ich auf der Fahrt von Athen über den Saronischen Golf nach Agistri eingefangen. Auf Agistri bin ich an Land gegangen und durfte die Sonne bestaunen. Agistri ist eine kleine Saronische Insel, die zwei Stunden von Athen entfernt liegt. Weil sie nur 14m² groß ist, sind der Himmel und das Meer zwei ständige Begleiter.

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Ausschwärmen

Wenn in die schmalen Gassen die Schatten fallen, das Sonnenlicht sich nur noch auf manchen Fassaden bricht, wenn kleine, bunte Lichter die Eingänge erhellen, dann wagen wir uns hinaus.

PAME

Hinaus in die Abendwärme, hinein in die Gassen, aus denen Stimmen klingen und Gläser klirren, Moskitos schwirren und sich Touristen mit Strohhüten verirren.

Psiristr

In Schwärmen fliegen wir aus, auf der Suche nach Laternen, setzen uns auf bemalte Metallstühle, auf gemusterte Kissen, lassen uns kaltes Wasser in Karaffen bringen, zünden Zigaretten an, bestellen bunte Flüssigkeiten auf Eiswürfeln, schlagen die Beine übereinander, legen unsere Sonnenbrillen ab, rufen uns zu, lachen laut, schauen uns um, lehnen uns zurück, und loben den Sommer.

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psiridosgardenias

psirivolta

psirikleider

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Die Fotografien sind in dem Stadtviertel „Psiri“ entstanden, welches zentral in Athen liegt und eine unzählige Fülle an Bars, Cafés und Tavernen birgt. Mit dem Sonnenuntergang füllt sich das Viertel und bleibt bis in die Nacht hinein von Stimmen erfüllt.

Psirilicht

Wer immer nach Athen kommt und „Psiri“ besucht, dem rate ich auf der Platia einen Kuchen bei Nancy Σερμπετόσπιτο zu bestellen, und wer einen Eindruck in die alternative Kulturszene bekommen will, kann sich das selbstverwaltete Theater „Embros“ ansehen (Riga Palamidou 2 ), in dem fast täglich Veranstaltungen stattfinden. Ansonsten rate ich euch, wie immer, sich einfach mitten in die Stadt und in das Gemenge zu werfen und selbst neue Mosaiksteine zu entdecken.

Psirigirlade

Von Blüten und Staub

Ich streife auf schmalen Pfaden über die Insel und sauge Bilder auf. Manchen davon habe ich erlaubt sich durch meine Kamera zu verewigen. Jede Blüte lässt mich atemlos ob ihrer einzigartigen Schönheit.

MitNetz1.    Wilde Gladiole          

Jede der Pflanzen trägt einen Namen, den ich nur selten weiß. Zu gern würde ich wissen, was auf Andros alles blüht. Ich lade euch alle ein, euer Wissen zusammenzutragen und die Pflanzen ergänzend zu benennen.

Orchidee2. Ragwurz

Hyazinthe23. Lupine

Zistrose4. Zistrose (Cistus)

„Bald wird die Sonne die Farben rauben und der Erde ihr staubiges Kleid überwerfen, noch aber ist Zeit voller Lust zu sammeln“ denkt sich der Käfer, bevor er sich kopfüber in den Kelch wirft.

Unbekannte in gelb5.

Schafe im grün

Blaue Unbekannte6.

Die Pflanzenvielfalt lässt mich ehrfürchtig staunen, all diese Farben und Formen so dicht beisammen.

Ginster7. Ginster

Schachtelhalm8. Schachtelhalm

FenchelWild9. (Das Titelbild zeigt diese Blüte im Knospenstadium, das Gewächs wird bis zu 2 Meter hoch)

Malven10. Malve

Johannis11. Johanniskraut

Alle Fotografien sind auf der Kykladeninsel Andros entstanden, auf Wanderungen zwischen den Dörfern Koureli, Falika und Sasa.

Kourelis

Bei den Pflanzen handelt es sich ausschließlich um wild gewachsene Geschöpfe, fern gehegter Gärten, auch wenn es manchmal schwer zu glauben ist.

Hyazinthe12. Löwenmäulchen?

 

Athens Aprilgeruch

Wie die Menschen in Athen im Duft schwelgen:

Blütendunst

Sie schließen die Augenlider, führen dabei drei Finger vor dem Gesicht zusammen und atmen tief ein. Atmen den Duft der weißen Blüte ein, die sie zwischen den Fingern halten. Eine Blüte, die sie vom Baum gepflückt haben, einer der Bäume, die in diesen Tagen voller Blüten sind. Sie atmen den Duft ein und sagen, die Augen noch immer geschlossen: „Naranzia“ (νεραντζιά). Sie atmen den Duft ein, der die Stadt erfüllt, nachts, nach dem ein lauer Regen den Asphalt benässt hat.

Blütenboden

Nach einem Regen, wenn alles nach diesen Blumen riecht, die im Überfluss in jeder Straße auf den Bäumen blühen. Auf Bäumen, die noch Früchte tragen und ich immer staune, wie ein Baum blühen und zugleich Früchte tragen kann.

Neranzia himmel

Früchte, die so reif sind und so voller Überfluss an den Straßen wachsen, dass sie auf den Asphalt fallen. Sie platzen auf, rollen zusammen, und werden von Blüten bedeckt.

Fruchtsammlung

Blüten, die so im Überfluss blühen, dass sie die Menschen in Athen im Vorübergehen von den Zweigen brechen, sie in den Fingern halten und den Duft einatmen, während sie den Namen sagen: „Naranzia“.

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Naranzia werden bei in der deutschen Sprache als Bitterorangen oder Pomeranzen bezeichnet und sind eine Mischung aus Pampelmuse und Mandarine.

Aus den stark duftenden Blüten wird das ätherische Neroliöl gewonnen, welches als Bestandteil für Parfüms verwendet wird sowie in der Aromatherapie wegen seiner entkrampfenden Wirkung Anwendung findet. Auch die Schalen der Früchte finden sich in der Parfümerie wieder, als Bitterorangenöl, in Düften mit zitronig-frischer Note.

Fruchtschwere

Ungekocht sind die Früchte jedoch nicht genießbar, weil das Fruchtfleisch einen sauren Geschmack hat, diese auch genannten „sauren Orangen“ lassen sich aber wunderbar als Marmelade verarbeiten. Wer ein Rezept dazu findet, kann dies gern hier im Kommentar teilen.