Goldflüsse auf dem Hügel der Musen

Ist es das Wissen darum, dass diese Strahlen die Letzten des Tages sind, bevor die Sonne verschwindet? Ist es dieses Wissen, ob ihrer Endlichkeit? Was zieht uns am Abendlicht in Bann? Was ist es, dass mich beim Anblick der Abendsonne einen Spur Traurigkeit fühlen lässt? Tagelang liegt Athen in der Hitze und ich steige auf einen Berg, um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen, als hätte ich noch nicht genug.

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Sind es die Strahlen, die nun nicht mehr heiß brennen, sondern für kurze Zeit rote, flache und warme Schatten werfen?

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Auf den Wegen ist rotes Gold verschüttet, auf das ich vorsichtig meine Schritte setze, irgendwie verwundert, dass nichts an meinen Sohlen haften bleibt.

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Und hier sehe ich mich plötzlich selbst im Flammenschatten oder im Goldfluss.

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In den allerletzten Zügen scheint die Sonne noch einmal ihre volle Farbkraft hervorzuholen, wie zum Beweis, dass es noch nicht vorbei ist. Sie taucht alles in Feuer. Die trockenen Gräser scheinen in Brand gesteckt zu sein, auf den Stämmen flackern Flammen, die Nadeln beginnen schon fast zu knistern. Das letzte Licht lodert noch einmal auf.

lichtspiele8All Abendlich steht der Filopappou Hügel in Sonnenflammen, Menschen ziehen es auf seinen Gipfel, um die Sonne hinter Athen untergehen zu sehen. Die alten Griechen glaubten, dass auf diesem Hügel die neun Musen lebten. Ich kann sie in ihrem Glauben gut verstehen.

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Fotografieren heißt schreiben mit Licht. Daran denke ich immer dann, wenn ich mit meiner Kamera losziehe um Bilder einzufangen. Fotografie, ein Wort, das aus dem Griechischen kommt: φῶς heißt Licht, (φωτός im Genitiv), gesprochen wird es Photos und γράφω, grafo bedeutet schreiben und zeichnen.

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Nach dem Sonnenuntergang wartet die Sternwarte auf dem Hügel auf den Nachthimmel.

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Agistri mit Freddo

Wer die folgenden Zeilen ließt, sollte sich vorsichtshalber gleich einen Eiskaffee bereitstellen und wenn möglich die Zehen in Sand stecken, es kann notfalls auch eine Sandkiste sein.

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Für Fernweh und sofortige Reiselust übernehme ich keine Verantwortung.

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In den frühen Morgenstunden, wenn die Strände noch leer sind und die Insel der Sonne noch verschlafen entgegen blinzelt.

Wenn der Sand noch kühl ist, und sich meine Zehen darin vergraben möchten. Wenn die streunenden Katzen sind noch ungefrühstückt sind und den Hunden beim Gassigehen zusehen.

Dann kommt die erste Fähre an.

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Die morgendliche Fähre spuckt neue Athener aus, die wie ich ihre Zehen in den kühlen Sand stecken möchten.

Sich unter Pinien legen, einmal ganz das Häusermeer vergessen, und den Himmel bestaunen, der hier so anders ist.

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Sie kommen mit bunten Strandtaschen und Badelatschen, den Bikini schon gleich angezogen, eingehüllt in den Geruch von Sonnenmilch. Sie schwirren aus, holen sich den zweiten* kalten Cappuccino (Freddo) auf Eis zum mitnehmen, schleichen auf Pfaden zu versteckten Stränden im Pinienwald, bauen sich Lager, Sonnensegel und breiten Decken aus. Essen frische Kirschen, die sie noch schnell am Hafen gekauft haben, stecken den Freddo Cappuccino in den Sand, strecken die Beine in die Sonne und warten, bis sie braun werden.

*den ersten Freddo trinkt man bereits an Deck

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Irgendwann, wenn die Kirschen als Kerne im Sand liegen, und die Reste der Sesamkringel als Krümel daneben, wenn der Magen knurrt und die Sonne zu heiß wird, dann schleichen sie sich wieder ins Dorf zurück.

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Bei Tasos in der Taverne sind noch Tische im Schatten frei, er spannt ein Papiertuch darüber und stellt kaltes Wasser dazu. Wer wenig Geld hat, isst „Souvlaki ap ola“ (mit allem), wer verliebt ist, sagt „choris kremidi“ (ohne Zwiebel). Zum Nachtisch gibt es Melone in Stücke, ein Geschenk des Hauses. Der Kaffee danach darf nicht fehlen und jetzt schnell zurück zum Strand, um im Schatten den Bauch in Ruhe verdauen zu lassen.

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Die Zeit bis zur letzten Fähre vergeht zu schnell, noch ein letztes Bad, noch einmal in der Sonne trocknen um dann mit Salzresten auf der Haut, auf Badelatschen durch den Pinienwald zu rennen, durchs Dorf, Tasos zum Abschied zu winken, gerade noch die Fähre zu erwischen.

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Sie strömen an Deck, lehnen übers Geländer, sehen zu wie die Insel immer kleiner am Horizont verschwindet und dann Athen als Lichtermeer am anderen Horizont erscheint.

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Die Insel Agistri ist vor allem bei Studierenden aus Athen beliebt, weil man so einfach am Wochenende schnell hin fahren kann. Manche übernachten eine Nacht und legen sich an einen der abgelegenen Strände, manche schlagen kurz ein Zelt auf, und manche schlagen sich so den ganzen Sommer über durch. Wer die Insel erkunden möchte, leiht sich ein Fahrrad, oder nimmt den Bus, der zu anderen Stränden fährt. Außer den Hafenörtchen gibt es Pinienwald, Strände und einen Himmel, der sich darüber spannt und einen vergessen lässt, dass Athen nur zwei Stunden entfernt liegt.

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****** Tipps für Reiselustige ********

Agistri ist mehrmals täglich aus Athen per Fähre zu erreichen. Da die schönsten Strände kaum Schatten haben, empfiehlt es sich einen Sonnenschirm mitzunehmen, oder an einen der Strände am Hafenörtchen zu gehen. Per Bus kann man auch den Strand Aponisos erreichen, hier gibt es einen Bereich mit Sonnenschirmen und eine kleine Taverne.

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Wer hat diese Wolken getanzt?

Unter dem Himmel spannt sich ein Meer, dessen Wellen so glatt sind, dass ich fürchte unser Boot zerschneide ein feines Tuch. Der Himmel wölbt sich und hat für uns Gemälde gemalt. Sie spiegeln sich auf der glatten See wider. Wolken wie getanzt, wie aus einer Feder gezogen, wie gehaucht. Die Inseln liegen bedächtig staunend darunter, schlafend und türkis träumend.

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Ich versinke, mein Blick taucht ins farbige Wasser, weiße Gischt schäumt neben unserem Boot bis eine Möwe mich aus meiner Versunkenheit weckt. Das Wasser unter ihr wird zum Himmel, vor dem sie gleitet, begleitet vom Wellenspiel, bis mir schwindelt.

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Wir legen an. Auf der Insel scheint es nur den Himmel zu geben, und ringsherum das Meer. So weit ich auch gehe, ich sehe um die nächste Bucht nur wieder Meer, in alle Farben getaucht.

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Ich laufe zum Sonnenuntergang, der nur um eine Biegung weiter passiert. Schneller als ich es mir wünsche, fällt die Sonne ins Meer und hinterlässt ihre goldenen Schlieren als letzten Gruß. Dachte ich. Aber die Malerei des Himmels ist damit noch nicht zu ende.

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Jetzt werden Pasteltöne aufgezogen, sanftes Violett aus den Bergen hervorgezogen.

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Ich verneige mich. Erst als das letzte Bunt zu sehen ist, zünden die Menschen ihre Lichter an. Und wieder ist es das Meer, das diese Lichter widerspiegeln darf. Ich werde nicht müde zu sehen.

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Die Wolkenmalereien habe ich auf der Fahrt von Athen über den Saronischen Golf nach Agistri eingefangen. Auf Agistri bin ich an Land gegangen und durfte die Sonne bestaunen. Agistri ist eine kleine Saronische Insel, die zwei Stunden von Athen entfernt liegt. Weil sie nur 14m² groß ist, sind der Himmel und das Meer zwei ständige Begleiter.

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Ausschwärmen

Wenn in die schmalen Gassen die Schatten fallen, das Sonnenlicht sich nur noch auf manchen Fassaden bricht, wenn kleine, bunte Lichter die Eingänge erhellen, dann wagen wir uns hinaus.

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Hinaus in die Abendwärme, hinein in die Gassen, aus denen Stimmen klingen und Gläser klirren, Moskitos schwirren und sich Touristen mit Strohhüten verirren.

Psiristr

In Schwärmen fliegen wir aus, auf der Suche nach Laternen, setzen uns auf bemalte Metallstühle, auf gemusterte Kissen, lassen uns kaltes Wasser in Karaffen bringen, zünden Zigaretten an, bestellen bunte Flüssigkeiten auf Eiswürfeln, schlagen die Beine übereinander, legen unsere Sonnenbrillen ab, rufen uns zu, lachen laut, schauen uns um, lehnen uns zurück, und loben den Sommer.

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Die Fotografien sind in dem Stadtviertel „Psiri“ entstanden, welches zentral in Athen liegt und eine unzählige Fülle an Bars, Cafés und Tavernen birgt. Mit dem Sonnenuntergang füllt sich das Viertel und bleibt bis in die Nacht hinein von Stimmen erfüllt.

Psirilicht

Wer immer nach Athen kommt und „Psiri“ besucht, dem rate ich auf der Platia einen Kuchen bei Nancy Σερμπετόσπιτο zu bestellen, und wer einen Eindruck in die alternative Kulturszene bekommen will, kann sich das selbstverwaltete Theater „Embros“ ansehen (Riga Palamidou 2 ), in dem fast täglich Veranstaltungen stattfinden. Ansonsten rate ich euch, wie immer, sich einfach mitten in die Stadt und in das Gemenge zu werfen und selbst neue Mosaiksteine zu entdecken.

Psirigirlade

Athens Aprilgeruch

Wie die Menschen in Athen im Duft schwelgen:

Blütendunst

Sie schließen die Augenlider, führen dabei drei Finger vor dem Gesicht zusammen und atmen tief ein. Atmen den Duft der weißen Blüte ein, die sie zwischen den Fingern halten. Eine Blüte, die sie vom Baum gepflückt haben, einer der Bäume, die in diesen Tagen voller Blüten sind. Sie atmen den Duft ein und sagen, die Augen noch immer geschlossen: „Naranzia“ (νεραντζιά). Sie atmen den Duft ein, der die Stadt erfüllt, nachts, nach dem ein lauer Regen den Asphalt benässt hat.

Blütenboden

Nach einem Regen, wenn alles nach diesen Blumen riecht, die im Überfluss in jeder Straße auf den Bäumen blühen. Auf Bäumen, die noch Früchte tragen und ich immer staune, wie ein Baum blühen und zugleich Früchte tragen kann.

Neranzia himmel

Früchte, die so reif sind und so voller Überfluss an den Straßen wachsen, dass sie auf den Asphalt fallen. Sie platzen auf, rollen zusammen, und werden von Blüten bedeckt.

Fruchtsammlung

Blüten, die so im Überfluss blühen, dass sie die Menschen in Athen im Vorübergehen von den Zweigen brechen, sie in den Fingern halten und den Duft einatmen, während sie den Namen sagen: „Naranzia“.

Büten sw

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Naranzia werden bei in der deutschen Sprache als Bitterorangen oder Pomeranzen bezeichnet und sind eine Mischung aus Pampelmuse und Mandarine.

Aus den stark duftenden Blüten wird das ätherische Neroliöl gewonnen, welches als Bestandteil für Parfüms verwendet wird sowie in der Aromatherapie wegen seiner entkrampfenden Wirkung Anwendung findet. Auch die Schalen der Früchte finden sich in der Parfümerie wieder, als Bitterorangenöl, in Düften mit zitronig-frischer Note.

Fruchtschwere

Ungekocht sind die Früchte jedoch nicht genießbar, weil das Fruchtfleisch einen sauren Geschmack hat, diese auch genannten „sauren Orangen“ lassen sich aber wunderbar als Marmelade verarbeiten. Wer ein Rezept dazu findet, kann dies gern hier im Kommentar teilen.

Wie ich dem Augenblick begegne

Kleinode, die man im Vorübergehen streift. Wer wach ist, schnappt sie auf, wer woanders träumt, an dem ziehen sie spurlos vorüber. Wer genau hinsieht, der entdeckt darin selbst den Traum.

Cowboys sw

Kinder, die mit offenen Augen Träumen und deren Blick sich scheinbar noch nicht an diese Welt gewöhnt hat.

Ballonkinder sw

Momente, an denen für kurz die Zeit stehen geblieben ist und ich sie nun für immer anhalte. Ewige Momente, verewigt in einem rechteckigen Bild.

Treppenkinder

Es kostet mich jedes Mal aufs neue Überwindung die Gegenwart einzufangen. Zwischen mich und das Geschehen einen Apparat zu setzen, mich selbst außen vor zu bringen und den Traum in einen Kasten zu zwingen.

Baggy Opa

Es sind viele Momente vergangen, an denen ich mich entschloss, den traumhaften Augenblick nicht festzuhalten, meine Geräte in ihren Taschen zu lassen, nicht auf den Auslöser zu drücken, nicht abzuzielen und kein neues Bild in die Ewigkeit zu setzen.

Evas Baum

Sondern einzuatmen und wieder auszuatmen, wach alles aufzusaugend, um es danach der Vergesslichkeit auszuliefern.

Manchmal war aber die Verlockung zu groß, ein Verlangen das Traumhafte zu besitzen, es aus der Gegenwart zu entwenden, es wieder und wieder ansehen zu können und es zu sagen, da, schaut her, hier bin ich gewesen, das habe ich gesehen, so war es. Schaut es euch alle an.

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Von blühenden Steinen und Mut

Mohn, der seinen Kopf durch den Fels gepresst hat und jetzt in einem zitternden Kleid auch vom Wind noch nicht gebrochen wird.

MauermohnKlatschmohn

Alte Mauern, die schon große Reden erhören durften, tragen jetzt still und hoffentlich mit Stolz blühende Blätter auf dünnen Stielen.

Kakteenblau

Nun, da der Regen auf die Stadt gefallen ist, Pfützen und Löcher zu kleinen Teichen hat werden lassen, da kommen sie alle hervor.

FelsengelbSpitzwegerich

Ein drängender Wille, das Licht zu sehen und ihm seine Farben entgegen zu recken. Ein Wunsch,  dem Fels zu entkommen, der trotz Härte einen Samen bergen kann.

FelsgeschöpfWolfsmilchgewächs

Auf andere fallen die letzten Sonnenstrahlen der Tages, sie werden zu Zeugen der fallenden Sonne und ergeben sich nicht.

Sonnenabschied

Verwurzelt in nur einem Hauch Erde, alle Farben aus einer Unmöglichkeit zu entfalten und nicht müde werden – ihr macht mir Mut.

SonnenbuschGelber Blasenstrauch

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Die Blumen aus den Fotografien wachsen um die Akropolis herum, auf dem Filoupappou Hügel, bei der archäologischen Fundstätte des alten Friedhofs in Athen und sicher noch an vielen anderen Stellen, die es sich noch zu entdecken lohnt.

Wer die Pflanzen mit fehlenden Titeln erkennt, darf gern ergänzen und gegebenenfalls auch verbessern.

Fleisch, Rauch und Trommelwirbel – Karneval in Athen

Die ganze Stadt riecht nach Fleisch und Rauch, es ist „Tsiknopemti“ und überall wird gegrillt. Vor den Tavernen stehen auf den Bürgersteigen große Grills, die mit Spießen belegt sind. Das Fett tropft in die heiße Glut, Oregano wird mit kohlegeschwärzten Händen aus großen Plastikschalen über das Fleisch geworfen. Pitabrote werden mit Olivenöl bestrichen und über die Glut gehalten. Straßenhunde liegen gespannt auf der Platia und warten.

Souvlaki

Auf ihren Dachterrassen stellen die Menschen dreibeinige Grills auf, der Rauch steigt in den Himmel, Tsatsiki wird auf kleine Tische gestellt und die Zitronen frisch vom Baum geholt.

Titelmaske

Der griechische Karneval wird „Apokries“ genannt, was so viel wie „Fleisch vorbei“ bedeutet. Die Woche, als deren Höhepunkt der „Tsiknopemti“ gilt, ist die Fleischwoche. Danach folgt die Käsewoche, denn die gläubigen Orthodoxen Griechen sollen in der Fastenzeit auch auf Milchprodukte und Eier verzichten.

Maskenwand

An den Sonntagen der Karnevalszeit gibt es in dem Stadtteil Metaxourgio Straßenumzüge, die bunt, laut und chaotisch sind. Es wird getrommelt, getanzt und bis in die Nacht um die Häuser gezogen.

Bläser

Zuschauende vermischen sich mit den trommelndem Zug, es wird für eine bessere Sicht auf parkende Autos geklettert, Konfetti mischt sich mit den Bunt der Graffitis.

Badman

Karneval in Griechenland ist nicht nur später als in Deutschland, sondern auch ganze drei Wochen lang. Die größte Sause findet in Patras statt, der griechischen Karnevalshochburg.

Trommelwurf

Dieses Jahr ging es am 17. Februar los, und vorbei sein wird es erst am Montag, 11. März. Diesen Abschluss der Karnevalszeit bildet der „Saubere Montag“, an dem man bunte Drachen steigen lässt. Über diese Tradition habe ich bereits letztes Jahr bereits berichtet, ihr könnt hier über die Drachen des sauberen Montags lesen.

Federhelm

Ich hatte Wald erwartet

Die Ausstellung „State of Play“ der Künstlerin Kerstin Franke-Gneuß in Athen inspirierte mich zu einer kreativen Form der Bildbetrachtung:

Zukünftig„Zukünftig“

Zukünftig will ich jedes einzelne Haar auf eine Nadel fädeln und daraus einen Teppich weben, auf dem sich Schmetterlinge zum Schlafen niederlegen, wenn sie denn nach einem Nest suchen.

Dimos Peristeri

Was für eine schöne Fügung, dachte ich, als ich ich von der Ausstellung „State of Play“ hörte. Eine Künstlerin aus Dresden stellt in Peristeri aus, einem Vorort Athens, der nicht wie im Zentrum vor Kunst und Kultur überquillt und gleich bei mir ums Eck liegt.

Noch schöner dort direkt mit der Künstlerin Kerstin Franke-Gneuß ins Gespräch zu kommen, die so viel und herzlich lacht, dass sie anwesenden Griechen meinten, sie habe eine griechische Seele.

Die Titel der Bilder haben mich spontan zu einer spielerischen Art der Ausstellungsbeschreibung angeregt, um das „State of Play“ weiterzuspinnen.

Ich hatte Wald erwartetIch hatte Wald erwartet“

Ich hatte Wald erwartet, und dann sah ich wie Eisschollen aus der Dunkelheit auftauchten. Ich fragte mich, wie lange mich das Eis noch tragen wird. Ich fragte mich, ob die Schwärze aus der Nacht kommt, oder ob sie das Wasser selbst ist. Ich wusste, wer es wissen will, muss sich weiter hinaus wagen. Hinaus aufs dünne Eis.

FügungFügung“

Es fügen sich die Linien zu einem Spiel, dem ich mit Staunen zusehe. Es fügen sich Linien zu Flächen, es legen sich Flächen übereinander, werden zu Ebenen, durch die das Licht zu brechen scheint.

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Die Ausstellung wurde vom Kaviri Open Art Studio organisiert, welches in Peristeri aktiv ansässig ist und dort unter anderem auch Workshops zu Druckgraphik anbieten. Weitere Informationen gibt es auf deren Facebookseite.

Mehr zu den Arbeiten von Kerstin Franke-Gneuß sind auf ihrer Homepage zu finden: Alle Rechte der Graphiken liegen bei Kerstin Franke-Gneuß.

Aggeloppoulos Cafe

 

 

 

Von Pinienleuchten und Mandelblütenschnee

Dieser Text sei den Bäumen in Athen gewidmet, die ich liebe.

Mandarinen Traum

Bäume in Athen, von oben gesehen scheint es euch kaum zu geben. Zwischen den Straßen versteckt ihr euch, brecht mit euren Wurzen den Asphalt der schmalen Wegen auf, sprengt Felsen und gebt euch mit trockener Erde zufrieden.

Antennenast

Pinien, ihr schmiegt euch an sanfte Hügel, formt ein Meer, welches auch im Winter grün bis an den Grund der Akropolis hin reicht.

Pinientempel

Ein Wind kommt auf, formt eure Gestalt für die Ewigkeit, fährt durch Nadeln, Blätter, Äste, rauscht mit euch sein Lied.

Pinienblick

An den Abenden schüttet die Sonne ihr Gold über euren Zweigen aus und bemalt eure Stämme warm.

Pinienflamme

Ich möchte ich umarmen, eure Rinde wie Elefantenhaut unter meinen Fingerkuppen fühlen.

Pinienzapfenspiel*********

Und du, mein Mandelbaum, welch ungeduldiges Gewächs. Kaum zieht das letzte Kalt vorüber, platzen deine Knospen, erster unter den Blühenden willst du sein.

Mandel

Deine weiße Blüten stellen die Zeichen auf Frühling und fallen wie Schnee auf die noch schlafende Erde. Ich möchte sie aufheben und Schneebälle aus Blütenblättern formen, möchte die Erde sein, deren Haupt ihr schmückt. Ein Blütenglück von kurzer Dauer, wie es immer ist bei den kleinen, schönen Dingen. Umso schöner sie ganz aufzusaugen.

Mandel Schnee

Und nicht zu vergessen, mein Zitronenbaum: wie du jede Nische nutzt um deine Früchte an die Sonne zu halten.

Zitronenschwere

Eine Schwere voll reifer Früchte, die in meine Hand fallen, sobald ich ein einem Ästen drehe. Ein Duft, der auf meinen Handflächen haften bleibt und mir sagt, die Zeit ist reif.

Zitronenfülle

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Für alle, die Athen besuchen wollen und Bäume lieben: Im Filoupappou Park stehen beeindruckende Pinien, Zitronen und Orangen wachsen an jeder Ecke und die Mandelbäume blühen meist im Februar. Und natürlich sind da noch die Olivenbäume, denen ich mich einmal ausführlich widmen werde.