Warten auf Mitternacht

Es duftet aus allen Küchen, Suppen werden vorbereitet, Fleisch wird eingekauft, in der Metzgerei bilden sich Schlangen, Häuser werden geräuchert, vor den Türen qualmt Weihrauch aus, das beste Geschirr wird poliert, Tische werden gedeckt und dann wird gewartet. Warten auf Mitternacht, die Auferstehung und das Ende der Fastenzeit.

Falika

Gegen 23:00 begeben sich die Menschen in Griechenland in ihrer Feiertagskleidung auf den Weg in die Kirchen, verzierte Kerzen in ihren Händen, noch ohne Flamme. Es ertönen wieder Gesänge, die einhüllen. Ikonen werden zur Begrüßung geküsst, Kinder gähnen, Omas streichen ihre Röcke glatt, Opas sitzen in dunklen Anzügen auf den Holzbänken und der Pfarrer liest aus einem schweren Buch.

Koureli

Gegen Mitternacht treten alle auf den Kirchplatz, der Pfarrer schaut auf seine Uhr, es ist wie warten auf das neue Jahr. Dann schlägt es zwölf, und die Menschen entzünden ihre Kerzen am heiligen Licht, Feuerwerke erhellen das Tal und ihr Echo kracht in den Bergen wieder. Wir umarmen und, wünschen uns viele Jahre, frohe Ostern und bekunden, dass nun Christus wahrhaftig auferstanden ist.

BogenHof

Menschen strömen in ihre Häuser, setzen sich an den schon gedeckten Tisch, erheben die Gläser und brechen die 40 tägige Fastenzeit.

Am Ostersonntag wird dann überall im Land gegrillt, Ziegen und Lämmer werden auf Spießen über der Glut gedreht, Tomaten mit Oregano bestreut, Tsatsiki in Schalen gefüllt, der Terassentisch biegt sich und die Bäuche spannen.

Terasse

In der griechischen Fastenzeit wird neben Fleisch auch auf Milchprodukte, Eier und sogar auf Öl verzichtet. Um so größer ist die Freude nach dem Fastenbrechen.

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Alle Fotografien sind im Kloster Panteleimon und in den Dörfern Falika sowie Koureli auf der Insel Andros entstanden. Während der beschriebenen Zeremonie habe ich auf  das Fotografieren verzichtet, da ich zum einen ganz den Moment erleben wollte, zum anderen es auch schön finde, wenn manche Ereignisse noch zum selbst entdecken bleiben.

 

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13 Kommentare zu „Warten auf Mitternacht

  1. Ein zauberhafter Beitrag, mit tollen Bildern, in das dritte habe ich mich „verguckt“. Ich fotografiere auch lange nicht alles, was ich sehe, manches ist mir zu voyeuristisch, anderes möchte ich lieber in Worte kleiden, für die innere Imagination, so, wie du es auch beschreibst und wieder anderes ist mir zu heilig.
    Dein Erlebtes klingt für mich sehr berührend. Danke, dass du es mit uns geteilt hast.
    Liebe Grüße
    Ulli

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  2. Danke für den wieder einfühlsamen und stimmungsvollen Osterbericht. Kaum vorstellbar, dass Griechen auf ihr Öl verzichten. Wie schaffen sie dann die durchschnittlichen 15 l pro Jahr pro Kopf, wenn sie davon 40 Tage aussetzen?
    Liebe Grüße aus dem winterlichen Franken

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    1. Ja wer die Griechische Küche kennt, kann sich schon vorstellen, wie das schaffen… Und es fasten nun wirklich nicht viele so streng. Aber 15l ist schon eine beachtliche Zahl.
      Sonnige Grüße zu euch nach Franken!

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  3. ein wunderschöner Bericht mit tollen Fotos! Ostern wird überall anders gefeiert und du hast mich zu einem griechischen Fest mit genommen. Danke und liebe Grüße von Teneriffa – hier werden die Ostern auch ganz anders gefeiert …

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    1. Ja, diesen Wunsch kann ich verstehen. Ich bin vor gut zwei Jahren einfach geblieben, entgegen jede Vernunft. Jetzt lebe und arbeite ich hier, möchte nicht mehr zurück, auch wenn es vor allem finanzielle nicht immer leicht ist.
      Ich freue mich immer, wenn mein Blog bei Fernweh hilft!!

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