Der Himmel war orange

Der Himmel war orange, als ich am Montag aus dem Fenster sah.

Eine orangene Front, die sich hinter den Häusern aufbaute.

Wir fürchteten ein Gewitter und später hofften wir darauf.

Denn als ich später die Arbeit verließ und ins Freie trat, schlug mir der Staub in die Augen.

Ich blinzelte stellte ich mit Entsetzen einen feinen weißen Schleier fest. Es regnete Asche auf uns. Es war keine Gewitterfront, es war ein Brand.

Montag war ein heißer Tag und der Wind fegte in starken Böen den Staub und die Asche in unsere Augen. Er rüttelte an Bäumen während wir wussten, dass woanders vielleicht schon keine Bäume mehr gab.

Das Licht war hinter dem Staub und mit der feinen Asche legte sich ein Erdrücken auf die Stadt.

Die Straßen waren leer, weil die Menschen verreist sind. Es gab nur den Wind und das Wissen, dass irgendwo alles niederbrennt.

Es gibt diese Zeit der Ungewissheit, wenn man das Grauen ahnt aber das Ausmaß noch nicht weiß.

In dieser Zeit gibt es auch noch die Hoffnung, die dann stirbt, wenn die Gewissheit eintrifft.

Und die Gewissheit traf uns alle härter als unsere graue Ahnung noch war.

Mehrere Feuer haben um Athen alles verschluckt und Leben mit sich genommen. Es hängt eine Trauer über der Stadt, die auch der Wind nicht nehmen konnte, der sich jetzt gelegt hat und Sicherheit an seine Stelle getreten ist.

In Gedenken an alle, die nicht weit weg genug waren und an alle, die ihnen nah waren.

 

 

Werbeanzeigen

12 Kommentare zu „Der Himmel war orange

  1. Drr Schock bremste die Gefühle aus, langsam kommt die Trauer, und eine große Müdigkeit lähmt mein Herz. Es ist dies wieder und wieder und wieder. 2007, das Schreckensjahr. Und nichts wurde gelernt. Wirst du in Athen ausharren? Liebe Grüße dir aus der Mani.

    Liken

  2. Sehr traurig. In Gedenken an alle, die es nicht geschafft haben den Flammen zu entkommen, und an jene, die ihre Liebsten verloren haben, und noch lange nach Antworten suchen werden, wofür es keine passenden geben wird.

    Liken

  3. Ich hatte dazu nichts geschrieben, weil: Wenn man nicht SELBST in einer Situation steckt, fällt es schwer, die ganze Dimension zu begreifen. Auch das Psychische, was es mit einem macht. Das dürfte auch für jeden anders und auch schwer zu beschreiben sein.

    Liken

  4. Weia! Gerade wollte ich Dir ein Lob aussprechen für das tolle Foto, das aussieht wie ein lustiges Notenblatt – dann las ich den Text. Furchtbar, ich habe es in den Nachrichten gesehen. Grauenhaft.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s