Falsche Orangen im Kohlegeruch

Wie überall kann man sich im Winter nie den Sommer vorstellen und wenn es einmal Sommer ist, dann ist der Winter unvorstellbar. So auch in Athen, der Stadt, die doch eine Sommerstadt ist.

Winter in Athen ist für mich der Geruch von Kohleöfen, der sich an kalten Abenden über die Stadt legt. Ein Geruch, mit der Krise verbunden, denn seitdem hat kaum einer mehr Geld für Heizöl und die Heizkörper dienen nur noch als Regalbrett.

In den Wintermonaten werden die Straßen gesäumt von scheinbaren Orangenbäumen, mit Früchten, die man nicht essen kann, und ich kann nicht aufhören mich zu fragen, wer solche Bäume pflanzt. Sie fallen vor Reife auf den Asphalt, platzen auf und bleiben liegen.

Auch im Winter ist viel Leben draußen, als würden wir den Winter nicht wahrhaben wollen. Die Ladentüren stehen weit offen, und weil drinnen in den Cafés und Bars zu wenig Platz ist, sitzen die Menschen im Freien, bis spät in die Nacht.

Die Platia Vicotria ist gefüllt mit Menschen, die sich in der Sonne wärmen, sicher auch weil viele von ihnen in zu engem Raum wohnen, und manche kein Dach über dem Kopf haben.

Bisher hat der Winter Gnade für Athen, die Sonne wärmt die Stadt an vielen Tagen. So sind die wenigen Parks in der Stadt grün und voller Blumen. Wenn es aber kalt ist, trifft es uns beinahe schmerzhaft, denn dann pfeift der Wind kalt von den Bergen und mischt sich mit der Feuchte des Meeres, dass die Kälte bis in die Knochen zieht und wir klagen. Über die Kälte zu klagen tut gut. Wir müssen es so selten.

Und selbst dann strahlt das Licht. Dieses Licht ist noch im Winter hell und noch an bewölkten Tagen strahlt es durch die Wolkenschicht.

Es ist dieses Licht, dass uns auch im Winter den Sommer erahnen lässt und uns sehnsüchtig macht, nach der Flucht auf die Inseln, die jetzt verlassen vor der Stadt im Meer vor sich hin träumen.

winter_athen (3)

rafina (2)

6 Kommentare zu „Falsche Orangen im Kohlegeruch

  1. aus den Bitterorangen (Pomeranzen, griechisch νεράντζι) kann man vorzügliche Marmelade und andere Köstlichkeiten zubereiten. Außerdem machen sie sich gut als Zierbaum, duften, wenn sie blühen, und sind Schneeballersatz auf den Schulhöfen. Liebe Grüße!

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